Montag, 18. August 2008

Der kleine siegreiche Krieg und seine Folgen

Auch zehn Tage nach Beginn der Kampfhandlungen ist der kurze Kaukasus-Krieg noch ein heißdiskutiertes Thema in den deutschen Medien und Internet-Foren. In Diskussionsforen und Artikel-Kommentaren kriegt man immer eine breite Palette der Meinungen zu sehen, von heißblütigen Unterstützern des kleinen demokratischen Georgiens sowie Verachtern des imperialistischen Russlands bis zu den Entlarvern amerikanischer Tücke und innigen Russland-Freunden. In den offiziellen Medien ist derartiger Pluralismus dagegen weitgehend Fehlanzeige.

Doch was sind die vorläufigen Ergebnisse dieses lokalen Ereignisses, das die Welt derart aufgeregt hat? Worauf basiert dieses intuitive Gefühl, dass hier etwas Fundamentales passiert ist, das manche Kommentatoren dazu veranlasst, von einer Zäsur zu sprechen und darin sogar einen ähnlichen historischen Wendepunkt, wie den Mauerfall 1989 zu sehen?

Zum ersten Mal seit langer Zeit hat sich Russland wieder aktiv und konsequent für seine Interessen eingesetzt. Aus einem Objekt der Weltpolitik, zu dem es 1991 degradierte, ist Russland erneut zu einem Subjekt geworden. Es konnte auf den georgischen Angriff auf Südossetien gar nicht anders reagieren, denn auf dem Spiel standen sein Prestige und seine Glaubwürdigkeit. An solch ein entschlossenes Russland war die Welt schon lange nicht mehr gewohnt und die Machtlosigkeit der USA, die tatenlos zusehen mussten, wie ihr aufgerüsteter kaukasischer Zögling problemlos auseinander genommen wird, tat ihr Übriges. All dies warf fundamentale Fragen auf, inwieweit die herrschende Weltordnung überhaupt noch Bestand hat und aus welchem neuen Blickwinkel man die aktuelle Weltlage sehen sollte.

Das militärische Fazit des Krieges ist, dass sich die russische Armee erstaunlich effektiv und kampffähig zeigte, während die von den USA hochgerüsteten und ausgebildeten Georgier (Militärbudget hatte sich in vier Jahren versiebenfacht, unentgeltliche Hilfe nicht mitgezählt) als sehr unprofessionell, um nicht zu sagen feige, auffielen. In drei-vier Tagen war vom Widerstand nichts mehr zu sehen, die Georgier ließen zahlreiches Kriegsgerät kampflos liegen und flüchteten nach Tiflis, das die Russen nur noch einnehmen mussten, dies aber offensichtlich nicht wollten. Die Russen zerstörten in Kerngeorgien die militärische Infrastruktur, die vorher für den Angriff auf Südossetien benutzt worden ist, und hatten dazu auch völkerrechtlich die Legitimation. Denn das Völkerrecht schützt auch De-facto-Staaten und sieht das Recht vor, auch auf dem Gebiet des Agressors zu operieren, wenn die Sicherheit dies erfordert. Wer hier von Unverhältnismäßigkeit redet, zeigt sich als Heuchler, vor allem wenn man an die Bombardierungen Belgrads, Novi Sads oder aber irakischer Städte denkt.

Zum Ergebnis des Kriegs zählt auch, dass die Berichterstattung im Westen über Russland auf das Niveau des Kalten Krieges zurückgefallen ist - mit all den verschärften Lügen, doppelten Standards, Aggressivität und Einseitigkeit. Während in den ersten Tagen des Krieges noch hier und da auch eine kritische Stimme gegen Georgien zu vernehmen war (zu erdrückend waren die Tatsachen, die spontan nicht zu unterschlagen waren), setzt sich der Ton der Meldungen und der "Analysen" heute nur noch aus Ausführungen zusammen, wie gefährlich, unberechenbar und tückisch der Russe doch ist. Dabei wird in den Medien und der Politik so getan, als hätte der Krieg erst am 10. August angefangen, ohne dass es vorher einen georgischen Überfall und die Beinah-Zerstörung von Zchinvali mit zahlreichen Toten gab. Gezielte Hetze und Panikmacherei wird seitdem betrieben. Dem verbrecherischen Regime des irren Saakaschwili, das die ossetische Bevölkerung vertreiben wollte, wird dagegen Unterstützung und Hilfe versprochen. Die Kanzlerin Merkel, der vorher die territoriale Souveränität Serbiens so herzlich egal war, besteht nun darauf, dass die territoriale Souveränität Georgiens nicht verhandelbar sei - und verspricht Georgien unbeirrt den NATO-Beitritt. Noch heuchlerischer ist nur Condoleezza Rice, die Russland den Versuch vorwirft, das Regime in Tiflis gewaltsam zu stürzen - ganz so, als ob das nicht gerade Amerikas Stil wäre und zwar unter erlogenen Vorwänden.

Zum Ergebnis des Krieges zählt auch, dass Russland durch die Beobachtung all der Heuchelei, des Blockdenkens und der Vertauschung von Opfer und Täter sich voller Empörung und Verachtung endgültig vom Westen abwenden wird. Dadurch, dass der Westen Russland jegliches Verständnis versagt, stößt es Russland von sich ab und erschafft eine neue Feindseligkeit in Europa, die niemand braucht. Das kolonialherrische und mentorenhafte Gebaren, mit dem der Westen Russland seit 1991 entgegentrat und bei jeder Abweichung von der eigenen Vorstellung des bedingungslosen Gehorsams dämonisierte, wirft Fragen auf, inwieweit dem Westen überhaupt je an einer echten Parnerschaft mit Russland gelegen war. Der Westen sah für Russland nur zwei mögliche Rollen vor, die er brauchen konnte: die des gehorsamen Befehlsempfängers oder weiterhin die des Feindbilds. Eine andere Variante hatte wohl von vornherein keine Chance.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für den Beitrag, der mir ziemlich aus dem Herzen spricht. Das Verhältnis zu Russland hätten wir mit Schröder auf vernünftige Füße stellen können - aber man kann wahrscheinlich nicht alles haben :(

Anonym hat gesagt…

danke danke danke. oh jah ohh ich komme, danke für den geilsten Orgasmus den ich je hatte

Anonym hat gesagt…

danke für die mühe und den objektiv rüberkommenden artikel.
habe in zwei kontinenten mit vielen nationalitäten gearbeitet: russen , in europa und afrika waren auf arbeit und im feierabend immer , ausnahmslos verlässliche partner und kollegen.
schad dass sie immer der buhmann sind. als wir klein waren, war ja der russe immer vor der tür, hat man uns gesagt,aber nie hat er sie eingetreten.Peace! MIP

Fritz hat gesagt…

ja danke danke danke. Was soll ich denn noch alles schreiben wenn man es mit einem Wort so gut ausdrücken kann: Danke Danke Danke. Hoffentlich wird das Großrussische Reich, wenn seine grenzen wieder an der Weichsel liegen uns Schlesien und Pommern wieder zurückgeben. Wir wären bestimmt artige und treue Vasallen für unseren großen russischen Papi.

Anonym hat gesagt…

stimme 100% zu.

Hier ein link für alle, die russisch sprechen

http://profile.ru/items/?item=26805

Anonym hat gesagt…

danke für den beitrag, es ist wirklich gut gelungen. mensch mit bisschen verstand sieht absofort, dass die medien lügen. russland entwickelt sich in wahnsinnigem tempo. georgien und ukraine haben sich an mr. bush verkauft...wie es aussieht, hat mr bush halb europa schon gekauft :(

Bruno hat gesagt…

Seit Tagen nun rätsele ich darüber, wer in wessen Falle getappt ist: der irre georgische Präsident in die Russlands, Russland in die von der USA oder doch die USA in die Falle Russlands?

Erstaunlich ist die präzise Art und Weise, wie westliche Medien nach dem auf dem Balkan schon erprobten Muster über die Ereignisse in Georgien berichten. Besorgniserregend sind zugleich die Passivität und die Machtlosigkeit der russischen Seite, mit welchen sie dieser Propaganda übelster Art gegenübersteht. CNN und Konsorten spielen ihr altes Spiel und niemand kann ihnen dazwischen reden. Ich dachte zuerst, Russland kann wenigstens hinter den Kulissen bei den westlichen Staatsmännern/Frauen ihre Darstellung der Ereignisse effektiv rüberbringen, aber nach der Nummer, die Kanzlerin Merkel zwei Tage nach Russland-Besuch, in Georgien im Beisein des irren georgischen Präsidenten abzog, flog auch die letzte Hoffnung bei mir dahin. Es sieht wohl doch so aus, dass Russland Georgien zwar militärisch voll im Griff hat, aber gleichzeitig können die USA auf der politischen Ebene schalten und walten wie auch immer schon. Den Russen bleibt nur noch der UN-Sicherheitsrat als letzte Verteidigungslinie übrig. Die zerstrittenen NATO-Konferenzen ändern nichts an der Tatsache, dass sich Russland in einer sowohl medialen als auch politischen Defensive befindet.

Nur..., ist das vielleicht doch so gewollt und die Absicht der Russen? Diese Frage positiv zu beantworten, würde heissen, bis vor kurzem Undenkbares für möglich zu halten: dass Russland nämlich die Schnauze endgültig voll hat von den USA und endlich für Klarheit sorgen will. Klarheit herrscht mittlerweile jetzt schon darüber, dass der Westen mit der Unterstützung des irren georgischen Präsidenten Russland an den Kragen will - offensichtlich und deffinitiv. Die Abmachung, die die USA mit ewigem Verlierer und Vasallen Polen gerade unterschrieben, wischt die letzten Zweifel hinweg. Es stellt sich nun die Frage, wie der Kreml mit dieser Klarheit, die eigentlich seit langem eine Realität ist, umzugehen gedenkt? Eine offene, politische und militärische Konfrontation mit den USA? Handelskrieg (Vergeltung) mit der EU durch die Gas-Keule? Oder doch Bögen glätten und auf "Business as usual" übergehen?

Mit Moral-Predigten und dem Bemitleiden des kranken georgischen Präsidenten kommt Russland jedenfalls nicht weiter. Das reizt die westliche "unabhängige" Presse nur noch stärker, woraus noch mehr Lügen und Manipulationen entstehen. Da müsste schon mit grösserem Kaliber geschossen werden. Verbale Seitenhiebe an die Seite der USA schön und gut, aber endlich müsste der Kreml den Texaner und die Bande um ihn herum öffentlich herausfordern. Wenns sein muss per CNN. Zu warten, dass der "amerikanische Traum" und sein Kartenhaus implodiert, ist ein Fehler. Denn, bevor es soweit ist, werden die Cowboys aus Washington die ganze Welt in Brand setzen, nur um von eigenen Problemen und dem drohenden Zusammenbruch abzulenken.

Wenn Russland dem amerikanischen Imperialismus eine Grenze setzen wollte, dann hat sie das nicht deutlich genug getan. Wenn das Ganze nur eine Warnung an die USA gewesen sein sollte, dann handelt es sich, meiner Meinung nach, um eine Fehleinschätzung der amerikanischen Dummheit seitens Russlands. Die USA werden sich selbst bald wie der irre georgische Präsident aufführen und keine Ruhe geben, bevor "ihre Göttliche Mission" erfüllt ist und das Problem Russland - der Teufel persönlich - nicht ein für alle mal erledigt ist.

So oder so ist das keine erfreuliche Perspektive für die Menschheit allgemein und für Europa insbesondere. Gott stehe uns bei.

Anonym hat gesagt…

Ich hoffe, die Zeit arbeitet für uns und die ganze Welt und ab 20.1.09 zieht auch in den USA etwas mehr Vernunft ein.

Bruno hat gesagt…

Auf einen Machtwechsel in den USA oder einem anderen westlichen Land zu hoffen, wäre sehr naiv.

Seit Ewigkeiten schon ist es völlig egal, wer an der Spitze der Regierung eines westlichen Landes steht. Die Politik ist immer die gleiche, weil sie nicht von den "gewählten" Politikern kommt, sondern von den Interessengruppen (Wirtschaft), die aus dem Schatten regieren. Eigentlich leben wir alle im Westen in einem rücksichtslosen Einpartei-System. Trotz der Gehirnwäsche und medialen Propaganda wird diese Tatsache immer mehr Menschen bewusst.

Anonym hat gesagt…

Die Hoffnung stirbt zuletzt und manchmal klappt es auch !

Anonym hat gesagt…

Was fuer scheisse Artikel schreibst du auf deiner Webseite???
Bist du ein Russofil? weisst du nicht, was die scheisse Russen in ihrem Land tun?? Alle nicht mit der Regierung kooperierenden Journalisten werden "neutraliesiert". Und was sagst du zum Thema: Die Glorifikation von Stalin und von ganzer Sovietischer Union, die in Russland stattfindet. Glau mir das ist kein gutes Land

berggeist hat gesagt…

21.Juni 1941. Es tobt ein Weltkrieg. Russland verhaltet sich noch neutrall, aber am nächsten Tag überfällt Wehrmacht das Sowjetrussalnd. In den folgenden zwei Jahren haben die gute Deutschen im besetzten Land mehr als 1000 schlechte russische Dörfer samt mit der Beefölkerung verbrant. Es war nur ein "sanfte" Anfang. 20 Mio. Sowjetbürger sind im Osten infolge einer Einstellung, die Sie mein lieber Anonym, auch heute noch so ernsthaft präsentieren, gefallen. Die Juden haben uns eine Rechnung vorgelegt, die wir bis heute noch nicht bezahlen können. Wenn, du und deine Gleichsinnige auch weiter im gleichen Sinne meckertn werdet, dann werden die Russen auf eine Idee kommen eine ähnliche Rechnung vorzulegen. Bist du bereit diese Rechnung zu bezahlen? hast du so viel Geld? Oder sollen wir alle für dich dies tun? Welche heizung hast du? Gasheizung? Weist du, dass die Russen mit Holz ihre Häuser heizen? Weist du, dass Putin den russischen Gas dem russischen Volk entnimmt und dir persönlich es verkauft und die schlechte Russen müssen bei schrecklichem Frost Brennholz für 6 Monaten fällen, hacken und heizen. Und dies alles nur dafür, dass du sie alle so ernsthaft bescheissen darfst. hast due zuhause ein Spigel? Guck mal rein!
Ich hätte das alles nicht sagen sollen, wenn nach deinem Brief sich keiner weigerte dagegen zu sprechen.