Freitag, 14. November 2008

Geh bleib stehen

Die Liste europäischer Absurditäten hat sich in den vergangenen Tagen um eine weitere Episode bereichert. Diesmal geht es um die Ostsee-Pipeline, die ab 2011 russisches Erdgas nach Greifswald in Deutschland transportieren soll. Das 2005 von Schröder und Putin auf den Weg gebrachte Projekt stieß von Anfang an auf Widerstand von traditionell russophoben Staaten, wie Polen oder den Balten. Vor allem die Polen, um Einnahmen aus dem Transitgeschäft fürchtend, schrien lauthals über einem "neuen Hitler-Stalin Pakt", der vor allem auf die Schwächung ihres Landes abziele. Auch die Balten, denen transitgebührmäßig zwar nichts blühte, stimmten mit an, da sie ja für jeden anti-russischen Galoppritt zu haben sind. Entschiedener Gegner des Projekts waren auch die USA, die traditionell jede Annäherung und Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland unterbinden wollen. Bereits die weltgrößte Pipeline "Druschba", die Deutschland seit den 1960er Jahren zuverlässig mit großen Mengen Gas versorgt, stieß seinerzeit auf amerikanischen Protest. Die Amerikaner, die weder eigene Erfahrung mit russischen Energielieferungen haben, noch vom kommenden Projekt betroffen sind, machten sich am Lautesten Sorgen über die Zuverlässigkeit russischer Lieferungen.

Für die Kassandra-Rufe üblicher Verdächtiger hatte traditionell die CDU sehr viel Gehör. Den Erfolg Schröders miesmachend, schüttelte sie den Kopf über die Nicht-Beachtung der Interessen "osteuropäischer Nachbarn" und "die Bedrohung Europas durch Abhängigkeit von Russland". Als sie selbst bald an die Macht kam, war jedoch der stragtegische Nutzen der Pipeline so offensichtlich, dass sie an diesem Kind Schröders stillschweigend festhielt. Sie ließ aber nie ihre anti-russische Rhetorik fallen, stimmte als Reverenz an die USA bei jeder Gelegenheit Klagelieder über die vermeintliche russische Unzuverlässigkeit an und bezog in den Konflikten Russlands mit den Transitländern immer die Position der letzteren.

Währenddessen bemühten sich die Osteuropäer, die auch noch Schweden ins Boot holten, mit allen Mitteln darum, das Projekt scheitern zu lassen. Alle möglichen Wege wurden ausprobiert, zuletzt "ökologische Bedenken". Dabei hat das Pipeline-Konsortium für viel Geld die geplante Route auf dem Meeresboden von jeglichen Chemikalien aus dem Zweiten Weltkrieg säubern lassen und die ökologische Situation der Ostsee sogar verbessert. Da der Grund für Proteste aber in Wahrheit woanders liegt, konnte das die Gemüter wenig beruhigen. Die Osteuropäer versuchen nun, das Projekt auf der EU-Ebene scheitern zu lassen.

Nun trat der russische Premier Putin in den Vordergrund und rief die EU auf, endlich mal für Klarheit zu sorgen, ob das Projekt nun gebaut werden soll oder nicht. Die Bauphase auf russischem Festland geht bald zu Ende und Russland ist die Querelen innerhalb der EU langsam leid, die sich hinauszögern, weil sich US-Freunde in der deutschen Regierung davor zieren, endlich ein Machtwort Richtung Osteuropäer auszusprechen. Nach Putins Worten kann Russland auf den Bau der Unterwasser-Pipeline auch verzichten und stattdessen Verflüssigungsanlagen bauen, um das Gas mit Tankern auf dem Weltmarkt anzubieten. Dies könnten die Deutschen und die Niederländer dann ebenso kaufen, müssten aber auch die höheren Kosten in Kauf nehmen.

Kaum waren Putins Worte gesagt, hagelte es in der Presse Empörung über "Putins Drohungen". (Interessante Bemerkung von Botschafter Kotenev im ARD-Morgenmagazin: Westen=Ankündigungen, Russland=Drohungen). Noch martialischer und sachverhalts-entstellender: Putin droht Europa mit teurem Gas. Der selbe außenpolitische CDU-Schnösel Schockendorff, der sich früher über die zu große Anbindung an Russland erhitzte, verurteilte Putin und einen eventuellen Baustopp. Auf einmal finden alle die Pipeline sehr wichtig, während das böse Russland sie wegzunehmen droht.

Beständigkeit scheint in Medien- und Politikkreisen nur eine Position zu haben: Kritik an Russland.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Versuchst du eigentlich auch mal die Standpunkte der anderen zu verstehen?

Ich würde dir gerne ein paar Fragen stellen. Vielleicht lässt sich ja ein Dialog entwickeln:

Was könnte denn die Ursache für die ständige Kritik an Russland in der "westlichen" Presse sein?

der unbequeme hat gesagt…

Lass mich mal raten.. Trägheit? Vorurteile? Überheblichkeit? Mangelnde Informiertheit? Gezielte Manipulation? Geopolitische Interessen vom anderen Ende des Atlantiks?

Ich beschäftige mich schon lang genug mit dem Studieren der westlichen Kritik, um festzustellen, dass der Großteil davon nichts Stichhaltiges darstellt.

Anonym hat gesagt…

In Ordnung. zur Kenntnis genommen.

Bevor ich weiter frage möchte ich noch mal nachhaken:

Wenn du jetzt einfach davon ausgehen würdest (nur mal so hypothetisch), das jede Handlung einer positiven Grundannahme voran ginge. Welche positiven Aspekt könnte die westliche Medienkritik verfolgen?

der unbequeme hat gesagt…

Dabei muss man immer fragen: positiv für wen? Was aus der westlichen Sicht vorteilhaft ist, ist nicht zwangsläufig vorteilhaft für Russland, meistens sogar zwangsläufig unvorteilhaft. Beispiel Energiecharta. Wenn die EU Russland kritisiert, diese nicht zu unterzeichnen, um wessen Wohl dreht sich also diese Kritik, selbst bei der positiven Grundannahme? Die genannte Situation lässt sich auf viele Beispiele übertragen. Kritik ist immer subjektiv, sollte sich aber zumindest auf gewisse logische Standards stützen. Eine Fussballmannschaft kann nicht die andere kritisieren, weil sie in die andere Richtung spielt. Man muss der EU also nicht automatisch Bösartigkeit unterstellen, aber ein sträfliches Vernachlässigen der Tatsache, dass ihre Interessen eben keinen Vorrang vor den Interessen anderer haben. Die Analyse der Situationen muss sachlich bleiben und letztlich ein fairer Ausgleich zwischen den Akteuren gefunden werden, basierend auf gegenseitigem Respekt. Das fehlt mir bei Europa zu sehr.

von vorhin der hat gesagt…

"Um wessen Wohl dreht sich also diese Kritik"

Das stimmt! Wenn ich davor positive Grundabsichten unterstellt habe, dann war ich schon so ehrlich und habe damit den Selbstbezug gemeint.

Also das was erstmal sichtbar ist, an der Kritik gegen Russland, sieht nachteilig für Russland aus und kann so nicht als positiv gewertet werden. (So würde ich das mal aus russischer Seite empfinden)

Wenn ich sie ein bisschen im Vorfeld "gestichelt" haben sollte: Ich dachte mir ein bisschen provokative Reourtutsche muss sein. Ich weiss ja inzwischen auch, dass die russische Mentalität mit "Schwächlingen" nichts anfangen kann. ... Also muss man schön gegenhalten.:)

Ne, im Ernst, ihr Beitrag trifft mich ins Herz, das riecht so nach Versuche die Europäer auseinander zu dividieren und Streit zu säen. Als überzeugter Europäer mag ich so eine Einmischung von aussen ja grad mal gar nicht... (mir drängen sich da zugegebener maßen Paralellen zu einem anderen Fall auf, was war denn das noch mal gewesen, hmmm *Kopfgrübel*

der von vorhin hat gesagt…

http://de.youtube.com/watch?v=YrgdUqdtCXw&feature=related

noch was episches für die Völkerverständigung, soll wohl nen ziemlichen Akzent haben, was solls ...

der von vorhin hat gesagt…

Ach so, die positive Grundannahme:

Es geht "uns" um unser(!) Sicherheitsgefühl. "Wir" haben in der Vergangenheit Dinge in Russland mitbekommen, die aus "unserer" Sicht gefährlich sind.

Wir wollen durch das offene An- und Aussprechen, auf die Dinge, zu denen wir nun mal eine Meinung haben Stellung beziehen. Das ist ein Teil unserer Mentalität und Kultur. Es hat auch etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. Wir teilen Kritik aus. Wir können auch Kritik einstecken.

Das wir ein Grundbedürfnis namens Sicherheit haben, und das stillen wollen, ist tatsächlich die positive Absicht. Dagegen kann keiner etwas sagen.

Wir Westler denken eben primär nicht(!), das wir dem Russen mal wieder eine Belehrungsstunde erteilen wollen, damit er sich mal wieder ärgern kann und wir unseren Selbstwert bestätigt bekommen.

Das was hinter dem verbalen steht ist nur Sicherheitsbedürfnis.

Was bringt uns das jetzt?

Nun als Antwort eine Frage zurück an dich: Was ist denn das Grundbedürfnis Russlands? Was steckt denn hinter all der rhetorischen Emotionalität die seit mehreren Jahren aus Russland kommt und die uns Europäern mindestens genauso auf den Sack geht, wie euch unsere Kritik??

von vorhin der hat gesagt…

und für die, die noch das Original zum vergleich mal hören wollen:

http://de.youtube.com/watch?v=nsTVihr2QE8

bitte sehr.

der unbequeme hat gesagt…

Ok, nehmen wir mal an, Europas Bewegungsgrund ist sein Sicherheitsbedürfnis. Was wären das für geheimnisvolle Dinge in Russland, die für Europa angeblich gefährlich sind?

Ob dir auch bewusst ist, dass wenn man die Geschichte analysiert, Europa für Russland immer gefährlicher war, als umgekehrt? Weißt du auch, dass von Europa aus viel schlimmere Zerstörungswellen ausgegangen sind, als umgekehrt?

Ich kann heute nichts erkennen, womit Russland Europas Sicherheit untergräbt, außer als Reaktion auf einseitige umgekehrte Versuche seitens einiger europäischer Staaten gegenüber Russland (Stichworte Raketen"abwehr", NATO-Expansion usw.)

PS: Ich bin nicht gegen Völkerverständigung, ich bin für faire Politik und gegen Medienlügen.

Anonym hat gesagt…

Ein sehr guter Artikel! Danke. Alles sehr gut erklärt. Damals habe alle von den "Geschäften" zwischen Schröder und Putin, etwas wie "wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing" und jetzt??? warum freuen sich nicht alle dass man ein stückhen unabhängig vin Russland wird. Aber neeeeein "Ich habe immer gesagt, Russland ist ein unzuverlässlicher Partner, jetzt bestätigen sich meine damaligen Worte" und bla bla bla.
Wie bitte? Russland hat schon mal den Hahn zugedreht? Dann fragen Sie doch den Juschenko, er gibt Ihnen die Antwort darauf. Wer nicht bezahlt, bekommt nichts, wenn es jemand nicht galubt, soll mal ins Geschäft gehen und etwas mitnehmen ohne zu bezahlen.
Absolut korrekte Politik Russlands.
Stopt osterweiterung der NATO!

W.M. hat gesagt…

Hallo Unbequemer.
Mich interessiert deine Meinung darüber, wieso Schweden eigentlich so Antirussisch eingestellt ist.
Ist es wirklich einfach nur Eindämmungspolitik, da man einfach eine potenziell feindliche Großmacht neben sich hat?

Und was deinen Diskussionspartner anonym15:58 angeht. Könnten Sie bitte Das Wort „Sicherheit“ näher definieren. Diese Vokabel wird für jeden Mist verwendet. Es erinnert an Versicherungsvertreter die einem erst Angst machen, was alles passieren könnte und dann die „Sicherheit“ verkaufen. Und um Ihrer Diskussionsmethode gerecht zu werden stelle auch ich Ihnen eine einfache Frage. Braucht die EU dieses Russische Gas. Eine ganz einfache Frage.

Gruß W.M.

der von vorhin hat gesagt…

@ derunbequeme:
"Was wären das für geheimnisvolle Dinge in Russland, die für Europa angeblich gefährlich sind?"

Ich hatte im übrigen schon mal vor 2 Wochen mit dir diskutiert, und fand eigentlich, dass wir gar nicht so weit auseinander lagen.

Wenn man mal diese hinderliche emotionalität rauslassen würde,diesen ganzen Frust usw. dann würdest du mir sicher zustimmen. Was hat denn Medwedew kürzlich gesagt? Die russische und europäische Position ist sich sehr ähnlich.

Zu ihrer Frage. Was bewegt uns Europäer zur permanenten Kritik. Ich habe ja behauptet, dass es unserem Sicherheitsbedürfnissen entspringt.

Ich lese auch deinen Satz: "...Ich kann heute nichts erkennen, womit Russland Europas Sicherheit untergräbt..."

Nun, lieber Unbequem, wenn ich dich so nennen darf, wenn sich die russische Seite darüber nicht im klaren ist, dann ist das ein sehr guter Beweis dafür, wie unterschiedlich unsere Wahrnehmungspositionen leider sind. In dem Wort Wahrnehmungsposition steckt im übrigen nicht umsonst das Wort "wahr" drin. Was ich als richtig und falsch beurteile, ist letztendlich nur eine Erziehungs- und soziokulturelle Erfahrungssache.

Zurück zur Frage, und auch eine Klarstellung: Wenn Europa ein bestimmtes Sicherheitsbedürfnis hat, dann ist dies ebenfalls nur einer bestimmten Wahrnehmungsposition geschuldet. Ob es nun richtig oder falsch ist, das kann ich oder will ich damit nicht(!) sagen oder behaupten!

Mir gehts erstmal nur ums Motiv.

Europa ist, und das kann ich unterschreiben ebenso von Russland enttäuscht, wie es umgedreht der Fall sein mag. Wir verstehen nicht, warum Russland sich so krass in den letzten Jahren von uns abgewendet hat. Wir wollten Russland Stück für Stück an Europa heran holen. Die Basis sollte dafür ein gewisser europäischer Grundtenor an gemeinsamen kulturellen Werten sein, die auch Russland als europäischer Staat besitzt. Russland hat sich dagegen entschieden und triftet (immer aus unserer Sicht) immer weiter von unseren europäischen Werteverständnis ab.

UND WIRD DADURCH IMMER FREMDER FÜR UNS HIER.
Dieses ansteigende Fremdheitsgefühl geht Hand in Hand mit einem Anstieg des Misstrauens, die durch verschiedene Aktionen der jew. Seite hervorgerufen werden, da die jeweilig andere Seite sie eben anders interpretiert und versteht.

Konkret:
- Russland setzt sein Gas und Öl als Waffe ein. Es ist mehrfach im Eigeninteresse Lieferungen an seine Kunden nicht nachgekommen.
- Russland unterschreibt Verträge mit uns, und hält sich dann nicht dran (Südossetien)
- Russland will Raketen im Oblast Kaliningrad stationieren. Weiß es nicht, was das für Kettenreaktionen weiter auslösen kann.

Inzwischen herrscht in Europa die Auffassung: Russland denkt nur an sich. Mit Russland Geschäfte zu machen, heisst übers Ohr gehauen zu werden.

Das Vertrauen auf unserer Seite liegt bei 0,0. Alles kaputt gemacht, durch so unvorsichtige Rhetorik die hier wie Kriegsdrohungen rüberkommen.

Nun. Das sind harte Worte von mir. Werter Unbequem. Wir wollen auch die russische Position verstehen und hören nur: Bitte hört auch unsere.

Das ist zusammengefasst die europäische Sicht der Dinge. Die russische kenn ich auch.
Wenn wir uns einigen wollen und was konstruktives daraus machen wollen, müssen wir und ihr unsere angestammten Positionen verlassen und uns irgendwo in der Mitte treffen. Nur so geht es. Und davon bin ich überzeugt

Gruß

der unbequeme hat gesagt…

Hallo, lieber "der von vorhin",

dass unter den Europäern viel Entfremdung gegenüber Russland herrscht, ist mir nicht neu. Deswegen habe ich ja auch diesen Blog erschaffen, um zu zeigen, wie viel davon der medialen Manipulation zu "verdanken" ist, sowohl stilistisch, als auch inhaltlich.

Für Ihre konkreten Beispiele danke ich Ihnen. Über Raketen in Kaliningrad gibt's eigentlich gar nicht viel zu sagen, denn hierbei handelt es sich über eine militärstrategisch notwendige REAKTION. Russland würde gern auf sie verzichten, falls Amerika seine Elemente zweifelhafter Natur ebenfalls nicht aufstellt. Es ist nicht Russland, das den ersten Schritt der Eskalation macht und es fühlt sich selbst bedroht.

Ich weiß auch nicht, was Russland in Südossetien nicht eingehalten habe. Europa, dass einem Kriegsverbrecher Milliardenbeträge hinterherschiebt, sollte seine Rolle in diesem Konflikt ohnehin überdenken. Es ist nicht die moralische Autorität, als die es sich nach innen präsentiert und auch Russland hat Grund zur Enttäuschung.

Falls Sie das Thema Kaukasuskrieg interessiert, hier habe ich einen guten Film, auf englisch:

www.war080808.com

Öl und Gas als Waffe ist ebenfalls eine abstrakte, von jemandem in die Welt gesetzte rhetorische Floskel, die der Überprüfung nicht standhält. Falls Sie den Konflikt mit der Ukraine 2005 meinen, kann ich gerne näher darauf eingehen. Ich bin nämlich sicher, dass ihnen viele Informationen für ein vollständiges Bild fehlen, was aber auch kein Wunder bei der hiesigen Berichterstattung ist.

Anschließend würde ich Sie gern fragen: haben Sie etwas mit Russen zu tun (beruflich, privat), waren Sie mal in Russland, verstehen Sie evtl. etwas Russisch? Wenn nein, müssen Sie zugeben, dass Ihre Meinung über dieses Land nicht sehr genau sein kann.

Viele Grüsse

Der Unbequeme

der von vorhin hat gesagt…

Ich war als Kind mal in Moskau. Noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Ansonsten bin ich bis so etwa 1994 öfters mal an russischen Soldaten vorbeigekommen (Garnisonstandort in meiner Nähe). Seit der Zeit ist der persönliche Austausch bei mir etwa bei 0.

Mit den Beispielen die ich genannt habe, wollte ich nur die Sache etwas verbildlichen, damit meine Aussagen nicht als zu abgehoben, rumschweifend rüberkommen.
Insofern stellen diese auch gar nicht grundsätzlich meine persönliche Überzeugung dar. Trotzdem danke ich, das sie auf diese Punkte eingegangen sind. Sie haben nämlich die russische Sicht wiedergegeben. Wenn ich die Punkte dann neutral betrachte: Ja, sie haben durchaus in vielen Dingen recht.

Da Europäer ja nicht dumm oder zurückgeblieben sind müssten die das doch eigentlich kapieren oder?

Nun, wie oben beschrieben, mein Austausch mit Russen steht seit 14 Jahren bei 0. Ich bin da nur ein typischer EU-Bürger. Zudem, sie gehen jetzt sachlich auf die Punkte ein, was mich dazu veranlasst hat darüber nachzudenken und meine Haltung zu revidieren. Tut das auch die russische Politik?

Nein, jedenfalls kommt das eben nicht so rüber. (Bedenke die Fremdheit und Kulturellen Unterschiede - würdest du mit direkter Konfrontation in Japan erfolgreich ein Geschäft abschließen können?) Die russische Elite hat es bisher nicht verstanden, ihre Anliegen auf eine inzwischen Global übliche Art und Weise zu artikulieren. Das ist das Problem! Nicht die Sache, denn da haben Europäer und Russen tatsächlich eine verdammt große gemeinsame Schnittmenge.

Wir müssen damit aufhören uns gegenseitig zu beschuldigen und Dreck vorzuwerfen. Stattdessen dem anderen zuhören und verstehen.

Wenn wir mal da hin kommen würden, ich wäre mir sicher, die Medien hier würden sehr bald einen anderen Ton Russland gegenüber anschlagen.

der von vorhin hat gesagt…

Noch eine interessante Frage zur Thematik:

Was könnte eigentlich die russische Politik tun, um ein ausgewogeneres Medienbild im Westen zu unterstützen?

... ich behaupte nämlich auch nach wie vor, dass ein jeder zu einer Situation was beiträgt und sie auch beeinflussen kann. Ob es was bringt, hängt einzig allein davon ab, ob die Maßnahmen auch die richtigen waren.

der unbequeme hat gesagt…

Hallo,

ich habe Erfahrung mit beiden Kulturen und kenne sowohl die europäische als auch die russische Mentalität. Sie können mir glauben oder nicht, aber die Russen zeichnen sich nicht dafür aus, nicht zuhören zu können. Es sind gerade die Russen, die sich in sehr vielen internationalen Angelegenheiten für Verhandlungen aussprechen und haben sich bisher nie Verhandlungen verweigert. Auch haben die Russen keine angeborene anti-europäische Einstellung, eher im Gegenteil. Gleichzeitig stoßen die Russen selbst oft und in Vielem auf eine Mauer des Ignorierens. Die Liste der Beispiele kann sehr lang werden.

Wenn Sie mit mangelnder Verhandlungsbereitschaft der Russen im Konflikt um Südossetien argumentieren, dann empfehle ich Ihnen wirklich, den Film von oben anzuschauen und sich dann an die Darstellung in deutschen Medien zu erinnern sowie an die progeorgische Position Europas. Kein Wunder, dass die Russen in der Wahl zwischen europäischen Akzeptanz auf der einen Seite und der Gerechtigkeit und Sicherheit auf der anderen Seite, die letztere Option gewählt haben. Dieses Ereignis stellte ja gerade deswegen eine bemerkenswerte Zäsur dar, weil die Russen zum ERSTEN Mal die westliche Haltung komplett in den Wind schossen, weil das Maß an Doppelmoral und Heuchelei nicht mehr zu ertragen war.

Schöne Grüsse

Der Unbequeme

der von vorhin hat gesagt…

Ich weiss, dass das in Russland als eine Art "vom Boden erhoben" verstanden wird.

Nur noch mal zur Klarstellung: Ich bin davon überzeugt, dass die Europäer in den 90ern eine Menge falsch gemacht haben, was den Umgang mit Russland betrifft.

Die neue russische Einstellung, a la, "jetzt machen wir nur noch das was uns in den Kram passt" ist aber auch nicht richtig.

Wenn man was erreichen will, dann muss man sich vom vergangenen lösen können und zukunftsorientiert denken. Dieses gegenseitige Aufrechnen der gemachten Fehler ist nicht meins.

Ein Sprichwort aus meiner Gegend lautet:
Wenn etwas nicht funktioniert, probiere was neues.

Die russische Konfrontation mag für das Volk ja befriedigend sein für den Augenblick. Letztendlich gewinnen wird es aber dadurch nichts. Es funktioniert nicht auf lange Sicht, wenn man nicht völlig unglaubwürdig sein will und in totaler Isolation verfallen will.

Vlado hat gesagt…

Kann mir mal einer sagen wieso die Polen die Russen so hassen?

http://de.youtube.com/watch?v=lbXPGwrkAuI

Anonym hat gesagt…

Ich mag die Polen net.

der unbequeme hat gesagt…

Lieber "Der von vorhin",

wir sind am selben Punkt angelangt, wie bei unserer ersten Diskussion auch schon. Sie schlagen den Russen vor, "etwas neues auszuprobieren" und empfehlen wiederum die alten Rezepte, die bereits in die Isolation geführt haben und kaum irgendwelche Früchte trugen. (Manchmal konnte man den Eindruck gewinnen, dass gerade der Westen Schwäche mißachtet). Wenn man so will, haben die Russen jetzt in der Tat etwas Neues ausprobiert. Und siehe da: nach weniger als zwei Monaten wartet Europa wieder mit offenen Armen.

Wenn Sie mehr Offenheit und Ausgleichsbereitschaft erwarten, dann glaube ich, wie ich das schon in unserer ersten Diskussion erklärt habe, dass Russland nicht mehr der allererste Adressat für solche Forderungen sein kann. Leisten Sie diese Überzeugungsarbeit erstmal bei sich zuhause. Vielleicht kann Russland dann auf das Offenheitsniveau von früher zurückkommen.

Viele Grüsse

Der Unbequeme

der von vorhin hat gesagt…

Das ist meine Befürchtung, dass das freiwillige europäische entgegengehen und Verständnis aus russischer Seite als Signal verstanden wird, mit der Konfrontation einen "richtigen" Weg gefunden zu haben.

der unbequeme hat gesagt…

Mißverstehen Sie Europas neuestes "Entgegenkommen" bitte nicht als edle Tat. Wäre das der Fall, hätten wir edle Taten schon früher gesehen. Europa ist heute auf Russland angewiesen und erkennt, dass es sich keine Spielchen mehr mit Russland leisten kann. Das ist alles.

der von vorhin hat gesagt…

ich verstehe das europäische engegengehen als: ok wir haben alle Fehler gemacht. Wir haben dazu gelernt. Russland soll seinen Platz bekommen, lasst uns Neu!! anfangen.

Ich habe nicht das Gefühl, das wir angekrochen kämen. Das bestimmt nicht!

der unbequeme hat gesagt…

Wenn das der Fall ist, dann hoffen wir, dass die russisch-europäische Zusammenarbeit künftig besser gelingt. Dazu muss Europa jedoch auf die USA und einige osteuropäische Staaten einwirken, von den Provokationen abzusehen, die auf ganz Europa Auswirkungen haben. Es muss endlich was Substanzielles von Europa kommen. Bislang überwiegt die Angst vor den USA.

Viele Grüsse

Der Unbequeme

der von vorhin hat gesagt…

vollste Zustimmung!!

Viele Grüße und vielleicht bis zu einem nächsten Mal.

der unbequeme hat gesagt…

Viele Grüsse,

Kommen Sie mal wieder.

gondoschir (at) aol.com hat gesagt…

Es ist immer wieder ein Genuss, auf dieser Seite handfeste und nachvollziehbare Fakten zu lesen. Ich bin der westlichen Heuchelei und Propaganda schon länger satt und habe hier einen gerechten Ausgleich gefunden. Möge der Autor noch lange Zeit diese Seite betreiben.

Veteran VDV hat gesagt…

spasibo bol'schoje !
fuer dieses interessante Blog, in dem auch einmal die Sichtweise des vermeintlichen Feindes, ohne den ein Europa anscheinend nicht auskommt? Dar bzw. klargestellt wird. Besonders beschaemend ist die deutsche Politik der Schroeder Nachfolger. Wenn sich ein Herr Steinmeier hinstellt u. Raketen in Kalinigrad als "falsches Signal" Russlands gegenueber Europa kritisiert, dann frage ich mich was Ami Raketen in Polen fuer ein Signal an Russland sind?
Als die Amis in Pakistan u. Syrien Zivilisten toeteten habe ich die Stimme einer nach "Territorialer Integritaet" laermenden Kanzlerin u. ihrer EU Gesinnungsfreunde doch sehr vermisst. Ging es nur mir so?

Anonym hat gesagt…

Ach Leute, mit so einer kleinlichen Sichtweise macht man keine Politik. Mir ist bewusst, dass es immer den Pöbel geben wird, aber man, was für ein Quatsch der in den 2 Kommentaren über mir geschrieben steht.

...mäck, mäck, mäck. Leute mit strategischen Denkvermögen werden gebraucht, nicht solche Bauertölpel!

Veteran VDV hat gesagt…

Soso Herr Anonym,
dann lassen Sie grosser Stratege uns doch bitte nicht im Dunkeln.
Lassen Sie uns doch an ihrem "strategischen Denkvermoegen" teilhaben, anstatt dieses Blog mit hohlen Luftblasen zu zieren.

der unbequeme hat gesagt…

Hallo, gondoschir (at) aol.com und veteran vdv!

Danke schön für die positiven Worte, ich werde auch weiterhin die alternative Sichtweise zu den Mainstream-Medien aufzeigen.

Schöne Grüsse

Der Unbequeme

gondoschir (at) aol.com hat gesagt…

Unter dem Eintrag um 09:11 ist zweifelsfrei erkennbar, dass die westliche Propaganda doch noch Früchte trägt. Nur mit Argumenten ist diese Art der Heuchelei noch dünn besät.

Anonym hat gesagt…

Propaganda gibt es nur im westen. Russland hat noch niemals etwas falsch gemacht. Dazu gibt es in Russland auch keine Propaganda weil unsere Wahrheit die einzig richtige ist.

Jeder der das nicht verstanden hat ist scheiße.

Viva la Revolution

Anonym hat gesagt…

Ich grüße den Unbequemen!

Nach der längeren Pause hatte ich bereits ungeduldig auf Ihre klugen Stellungnahmen zum aktuellen Geschehen zwischen Russland und er EU gewartet. Ihre gradlinige und logische Sehweise (die teilweise die der russischen Politiker ist ) ist den "Deutschen alter Art" wie mir, sehr angenehm. Die meisten "deutschen" verfügen gar nicht mehr über das geistige Bordwerkzeug des logischen Denkens, um den Propagandanebel der "eigenen" Regierung und der "deutschen" Medien zu durchdringen. Von Ehre ganz zu schweigen.

Deshalb einige "bizarre" Kommentare hier, auf die Sie jedoch mit bewundernswerter Geduld eingehen.

Bitte beschränken Sie läppische und bösartgige Kommentare auf ein Minimum; sie vergällen einem das Lesen.

MfG: Kreuzweis

der unbequeme hat gesagt…

Hallo,

danke für Ihre Worte, aber ich hoffe doch sehr, dass unter "Deutschen alter Art" nicht die Art von 1933-45 gemeint ist. Derartige Kommentatoren hatte ich hier auch schon und kann auf Sie gern verzichten.

Falls Sie damit jedoch die gesunde und pragmatische Interessenspolitik meinen, die im Gegensatz zur nichtssagendem heutigen Politkorrektheit einer Merkel, eines Barroso oder eines Solanas steht, hinter der sich lediglich neue Doppelmoral versteckt, dann weiß ich sehr gut, was sie meinen, und teile Ihre Ansicht.

Schöne Grüsse

Der Unbequeme

Anonym hat gesagt…

ich kann einigen kommentaren sehr von herzen beipflichten. russland soll aufhören ständig andere länder anzugreifen und zu terrosisieren.

gegen Nazitum hat gesagt…

ihr aggressiven Nationalisten!!!
Beispiele:

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243
B181B8B60AE/Doc~E2D199C80
06DB49B296BAFAD0FC5FFCE4
~ATpl~Ecommon~Scontent.html

108 Tote ausländer nur in diesem Jahr!!

der unbequeme hat gesagt…

Und wieviele tote Russen gab es in diesem Jahr durch Migranten? Hast das auch schon recherchiert? Da kannst sicher den Faktor 10 nehmen, aber allermindestens. Ich halte nichts von der Doppelmoral, dass bei jedem toten Ausländer sofort einen Aufschrei in der Presse gibt, aber bei einem ausländischen Täter die Nationalität möglichst unterschlagen werden soll. Neulich hat ein zentralasiatischer Migrant ein 15-jähriges russisches Mädchen in Moskau vergewaltigt und erstochen. Da kamen gleich die heuchlerischen "Menschenrechtler" und machten sich dafür stark, dass dieser Fall nicht in die Presse kommt, damit keine ausländerfeindlichen Stimmungen aufkommen. Wenn das nicht Zynismus ist.

Außerdem, woher willst du wissen, dass deine Zahl jedes Mal einen rechtsradikalen Hintergrund hatte? In Russland fallen jedes Jahr Tausende Menschen der Kriminalität zum Opfer, darunter können manchmal, oh Wunder, auch Nicht-Russen sein.

Anonym hat gesagt…

ich lese selten so etwas menschen verachtendes.

tud mir leid für sie.

weiteres posten erübrigt sich hier für mich.
danke für die aufklärung.

der unbequeme hat gesagt…

Aus meiner Sicht versuchen Sie auf diese Weise das Fehlen von Gegenargumenten zu verdecken.

Anonym hat gesagt…

Werter Unbequemer,
wenn es Ihnen Spaß macht, einem Deutschen sofort den "Nazi" auf's Brot zu schmieren, so finde ich das bedauerlich. Ich weiß nicht, ob Sie es genießen, wenn Gegner Ihnen sofort Lenin und Stalin vorhalten.
Ich meinte jedenfalls den Ruf, den die Deutschen bis '39 auch in Russland genossen. Und der war m.W. kein schlechter - zumindest ist mir nicht bekannt, daß wir den Ruf hatten eine Doppelmoral zu pflegen und die eignenen Interessen hinter einem Gutmenschengetue zu verbergen.

Seit ich mitbekam, daß Sie "9/11" noch nicht kritisch hinterfragten - obwohl es in Rußland zu bester Sendezeit angestoßen wurde und obwohl es eine "gute" Tradition der USA ist, Kriegsgründe selbst zu inszenieren, bin ich doch ein wenig verwundert. Es scheint mir, Sie entwickeln Kritikfähigkeit doch nur punktuell.

Bei der Gelegenheit: Was meinen Sie zu der These, die auf "Schall&Rauch" bezüglich des Untergangs der 'Kursk' kolportiert wird?

MfG Kreuzweis

der unbequeme hat gesagt…

Hallo Kreuzweis,

ich wollte Sie damit nicht vor den Kopf stoßen. Es war bloß schwer, aus Ihrem Kommentar ein eindeutiges Bild abzuleiten, so dass mit beiden Möglichkeiten gerechnet werden musste, da ich hier schon auch rechtsextreme Kommentare hatte. Von daher habe ich beides erwähnt, wobei ich das von Anfang an differenziert habe. Falls Sie sich dadurch zu Unrecht beschuldigt fühlten, möchte ich mich entschuldigen.

Ich denke, wir haben in vielen Hinsichten ähnliche Ansichten. Zu den Geschichten, die Sie erwähnt haben bezüglich 9/11 und Kursk, räume ich eine Möglichkeit ein, dass die Öffentlichkeit nur eine Spitze des Eisbergs zu sehen bekam, was in Wahrheit vor sich ging. Trotzdem oder gerade deswegen möchte ich mich in meinem Blog jedoch nicht auf dieses spekulative Glatteis begeben, da ich darüber wenig Seriöses sagen kann. Ich ziehe es vor, über Sachen zu schreiben, die meiner Meinung nach eindeutig und nachprüfbar sind.

Viele Grüsse,

Der Unbequeme

Anonym hat gesagt…

Hallo Unbequemer,
danke für Ihre Klarstellung.

Zur Kursk hätte ich eine Frage:
Selbst wenn die Darstellung von Schall&Rauch stimmte, glauben Sie nicht auch, daß es möglich wäre, 20+x Matrosen auch lebendig zum Schweigen zu bringen? Ich möchte annehmen, daß die russ. Regierung die Rettung nicht absichtlich unterlassen hat. Wäre dem so, wäre es geeignet, Teile des russ. Militärs gegen die eigene Führung aufzubringen.
Deshalb könnte hinter dieser Behauptung auch Absicht stecken (wehrkraftzersetzende Feindpropaganda).
Was liest man in Russland hierzu? (100m sind schließlich keine Tiefe...)

Ferner möchte ich auf eine interessante Meinung zur Geostrategie und den Allmachtsfantasien der USA hinweisen:
www.spatzseite.de (Kommentar vom 23.11.08)

MfG Kreuzweis

Experte hat gesagt…

Russischer Politologe sagt baldigen Untergang der USA voraus!

http://www.mmnews.de/index.php/200811251614/Politik/USA-vor-Burgerkrieg-und-Zerfall.html

Anonym hat gesagt…

ehemalige Kosmonauten verhungern in der Ukraine!