Sonntag, 16. Februar 2014

Pussy Riot oder wozu sich der Westen nicht zu schade ist

Die billigen Trash-Gören von Pussy Riot avancieren zu den neuen Heldinnen des Westens. Besser gesagt, sie werden dem Otto Normalverbraucher als solche gegen seinen Willen von Medien und Politik aufgedrängt. Wie es sich für "Stars" gehört, sind sie auf weltweite Tournee gegangen. Nach einem herzlichen Empfang in Deutschland und Frankreich mit Lobesliedern und Interviews in den Hauptabendnachrichten und führenden Online-Medien, düsten die beiden Aktivistinnen in die USA, wo sie ebenso frenetisch gefeiert wurden.

Pussy Riot mit US-Botschafterin Samantha Power
Beim Amnesty-Konzert in New York traten Pussy Riot gemeinsam mit der abgehalfterten Madonna auf und wetterten natürlich ordentlich gegen Putin und ihr Heimatland. Doch beim Showbiz ist es nicht geblieben. Mit ihnen traf sich der neue New Yorker Bürgemeister Di Blasio und die US-Botschafterin bei der UNO Samantha Power. Diese Dame, die jegliche Drohnenangriffe mit Hunderten unschuldigen Opfern in Pakistan als Kampf für Demokratie legitimiert, konnte sich vor Begeisterung über die beiden Pussy Riot Mitglieder nicht halten, deren anzüglichen Auftritt in der Moskauer Erlöserkathedrale sie als Kampf für die Menschenrechte empfindet. Russischer UN-Botschafter Witali Tschurkin nahm seine US-Kollegin sogar aufs Korn: "Es ist erstaunlich, dass Samantha Power sich noch nicht der Gruppe angeschlossen hat. Ich denke, sie könnte für sie einen Auftritt im National Cathedral in Washington organisieren und danach mit ihnen auf Welttournee gehen. Zunächst der Petersdom in Rom, danach vielleicht Mekka in Saudi-Arabien und zu guter Letzt ein Gala-Konzert vor der Klagemauer in Jerusalem." Die humorlose US-Politikerin verstand keine Ironie. Sie twitterte, es wäre ihr eine Ehre, dieser Punkgruppe beizutreten.

Die schizophrene Menschenrechtlerclique versucht aus den beiden Aktivistinnen eine Art Dissidentinnen und "Prisoners of Conscience" zu machen. Die kanadische Zeitung Globe and Mail verglich Tolokonnikowa und Aljochina gar mit Solschenizyn. Ankündigungen der beiden Punkrockerinnen, für politische Ämter in Russland kandidieren zu wollen, wurden mit tosendem Applaus begrüsst.

Tolokonnikowa bei Gruppensex-Aktion im Museum 2008

Doch die Regisseure, die hinter dem künstlich aufgebauschten Hype um Pussy Riot stehen, scheinen nicht zu begreifen, dass sie genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie sich ausrechnen. Das Kalkül ist natürlich, Putin zu schwächen und der russischen Opposition zu mehr politischer Bedeutung zu verhelfen. Das dürfte allerdings durch die Lächerlichkeit, mit der der Westen Pussy Riot feiert, eher verhindert werden. Die beiden Aktivistinnen werden in Russland bestenfalls nicht ernstgenommen, überwiegend aber mit zunehmender Genervtheit wahrgenommen. Wenn der Westen sie nun mit dem großen Schriftsteller Solschenizyn vergleicht und zudem zu wichtigen oppositionellen Politikerinnen stilisiert, sorgt er in den Augen der Russen für eine weitere Absurdisierung der Opposition, die früher immerhin mit Ex-Politikern (Kassjanow, Nemzow, Illarionow) und Intellektuellen (Limonow, Akunin) assoziiert wurde. Die Umfragen von WZIOM, dem renommierten russischen Meinungsforschungsinstitut, zeigen, dass die negative Haltung gegenüber Pussy Riot zunimmt. Waren im Sommer 2012 noch 33% der Russen der Meinung, dass das Urteil gegen sie zu hart war, während 46% das Urteil für angemessen oder zu milde hielten, sind es 2014 nur noch 19%, die das Urteil als zu hart betrachten, während der Anteil der zweiten Kategorie auf 66% angewachsen ist.

Der Westen begreift nicht, dass die Russen völlig anders ticken. Er wird Pussy Riot weiterhin zum Schaden der russischen Opposition politisch ausschlachten, bis das Thema allen irgendwann zum Halse raushängt. Und bis dato werden sich die beiden Gören von Pussy Riot (symbolische Abkürzung: PR) beeilen, aus dem vergänglichen Hype materiellen Nutzen für sich zu ziehen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

CNN sieht in den Ankündigung der US-Botschafterin sich PR anzuschließen wieder einmal einen vollen Erfolg der US-Diplomatie:

http://www.youtube.com/watch?v=IIaQmSutj0s

Hoffentlich wird in New York schon mit den Hühnchen trainiert. Mal schauen, was der Botschafter von Saudi Arabien zu der Tourneeplanung sagt.

Anonym hat gesagt…

Spätestens wenn die "Musikerinnen" das erste Mal Musik machen, wird sich das erledigt haben.
Georgien, Syrien, Ukraine, Chodorkowski: Alles erfolglose Unterfangen. Russland muss nicht einmal kommentieren. Es ist einfach praktisch, wenn man Geld, Rohstoffe, Energie und Nuklearwaffen hat. Da kann man auf Schulden getrost verzichten, und auch Zeit spielt keine Rolle.
Nahezu dieselbe Position für China.
Ich hoffe, der Iran wird da unter dem Schutz von Russland und China folgen.

aLuckyGuy hat gesagt…

Also ich kann ihren Beitrag in keiner Weise nachvollziehen. Kann schon sein das es sich bei Pussy Riot eigentlich nur um vorlaute "Gören" handelt. Aber sie tun etwas wozu mehr als 100 Millionen Menschen Russlands nicht in der Lage sind. Sie zeigen, dass sie mit den politischen Verhältnissen, die nun wahrhaft nicht einmal ansatzweise etwas mit Demokratie und Freiheit zu tun haben, einfach nicht einverstanden sind.
Ich finde, es gehört schon verammt viel Mut dazu gegen den Strom zu schwimmen.

http://andys-gay-news.blogspot.de/