Montag, 16. Februar 2015

Minsk-Abkommen: Merkels "Friedensinitiative" als Rettung der Junta in der Not

Pathetisch verkaufen die Wahrheitsmedien dem Leser Merkels und Hollandes Friedensinitiative in Minsk als Ausdruck der großen humanitären Mission der Europäer, die um Menschenleben im Donbass bangen und einen großen Krieg abwenden wollen. In Wahrheit scherten sich sowohl die europäischen Politiker, als auch die Lobgesänge ausstoßenden Medien all die letzten Wochen ziemlich wenig um die zivilen Opfer in Donezk, Gorlowka, Lugansk und anderen Städten der beiden Volksrepubliken, die durch unaufhörliche ukrainische Terrorbombardements Tag für Tag umkamen.

Ukrainische Grad-Raketenwerfer beschießen Gorlowka

Die Medien versuchten nach Möglichkeit, die Erwähnung dieser Opfer zu marginalisieren oder, wenn es nicht anders ging, zumindest ihre Urheberschaft zu verschleiern. Schon gar nicht erwähnenswert war die gezielte und systematische Zerstörung der lebenserhaltenden Infrastruktur: Kraftwerke, Gasverteilstationen, Wasserleitungen, aber auch Schulen und Krankenhäuser. Solange die ukrainischen Streitkräfte noch stark genug schienen, war aus westlicher Sicht alles in Ordnung.

Erst als sich im Kessel von Debalzewo, wo gerade bis zu 8.000 ukrainische Soldaten mit jeder Menge Militärtechnik festsitzen, eine militärische Katastrophe abzuzeichnen begann, wurde es in den westlichen Hauptstädten ziemlich unruhig. Das Aufreiben dieses bedeutenden Truppenverbandes, den die Ukraine in den Monaten zuvor gegen jede militärische Vernunft und aus purem Prinzip massiv verstärkt hatte, hat das Potenzial zu einem militärischen Dominoeffekt, ganz zu schweigen von der politischen Sprengkraft in Kiew, wo die Kriegspartei rund um Jazenjuk und Turtschinow schon lange auf eine Gelegenheit wartet, den "inkompetenten" Poroschenko zu stürzen.

Die Aussicht auf vorrückende Truppen "Neurusslands", kombiniert mit den Ankündigungen der USA, der kollabierenden Ukraine schwere Waffen liefern zu wollen, ließ bei den europäischen Politikern schließlich die Alarmglocken läuten. Es roch nach einem großen Krieg in ihrer direkten Nachbarschaft, was trotz ihrer Willfährigkeit gegenüber den Amis wohl des Guten zu viel war. Ungeachtet der Sanktionen und der lächerlichen Isolationsrhetorik gegenüber Putin tauchten Merkel und Hollande in Moskau auf, um Minsk II vorzubereiten. Mal wieder, nach dem Kessel von Ilowaisk im August, sollte damit der Hintern von Poroschenko gerettet werden.

Sowohl Russland, als auch die Separatisten stimmten dem neuen Anlauf für eine Waffenruhe zu. Zum einen ist es nur zu begrüßen, wenn die Beschüsse von Donezk, Lugansk etc. aufhören und dadurch Zivilisten gerettet werden. Zum anderen hat die Vergangenheit bereits gezeigt, dass die Separatisten die Waffenruhe besser nutzen, als die Ukraine. Die Feuerpause im Herbst erlaubte es den Aufständischen, aus einer unkoordiniert agierenden Ansammlung von diversen Kampfverbänden eine zentral geführte professionelle Armee zu formen. Ganz abgeschlossen ist dieser Vorgang aber noch nicht. Zum anderen, erschwert der Winter bekanntlich die Aufgabe der vorrückenden Seite, denn die Initiative haben nun seit längerem die Separatisten erobert. Drittens ist es aus Sicht der Separatisten nicht verkehrt, die Unzufriedenheit mit der Junta in der Ukraine wachsen zu lassen, damit sie später in den anderen Regionen nicht als Chaos bringende Eindringlinge, sondern als Befreier wahrgenommen werden können.

Sichtlich gealterter Poroschenko (49) in Minsk. Manche vermuten Alkohol
Trotz der erkämpften Galgenfrist für Poroschenko zeigten die Europäer sofort, dass sie nicht daran denken, die Politik der antirussischen Eindämmung grundsätzlich neu zu überdenken. Trotz der Kooperation und der erreichten Übereinkunft gab es gleich wieder neue Sanktionen und die Androhung, im Falle des Scheiterns des Waffenstillstands, Russland mit weiteren Sanktionen zu belegen. Dass für das Scheitern unkontrollierte radikale Gruppierungen auf Kiewer Seite verantwortlich sein könnten, steht gar nicht erst zur Diskussion; Sanktionen gegen Kiew sind nicht vorgesehen. Eine solch absurde Konstruktion verführt Kiew geradezu zu einer Fortführung des Krieges, wann immer es sich dazu wieder imstande fühlt.

Dass der Waffenstillstand nicht lange halten wird, ist jedem Beteiligten klar. Zu viele Punkte aus dem Minsker Abkommen sind extrem schwer umzusetzen, weil sich sowohl einflussreiche Politiker in Kiew dagegen sträuben, als auch weil nationalistische Freiwilligenbataillons sie ablehnen. Der Anführer des Rechten Sektors Dmytro Jarosch bezeichnete das Abkommen von Minsk bereits als nichtig. Unklar ist, was aus dem eingekesselten Soldaten von Debalzewo wird. Niemand wird ihnen in voller Bewaffnung einen Abzug über das Separatistenterritorium gestatten. Zudem leugnet die Kiewer Propaganda weiterhin, dass es den Kessel überhaupt gibt und stilisiert Debalzewo zu einer heroischen Bastion, die man niemals aufgeben werde.

Allen Beteiligten ist klar, dass der Krieg kurz- oder mittelfristig weitergehen wird, weil seine Ursachen nicht beseitigt sind. Beide Seiten nutzen die brüchige Feuerpause für ihre taktischen Zwecke.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Scheint so, als hätte Russland durch den nicht existierenden Kessel
wieder 80 Panzer und 100 APC geliefert (leicht reparaturbedürftig).
Danke unbequemer für Deine wie immer treffenden Beiträge.

Anonym hat gesagt…

Ein ausgesprochen klarer Blick auf die Dinge.Danke dafür.
Rein Interessehalber, wie würdest Du versuchen die Situation zu lösen, ohne noch mehr Unheil bei denen anzurichten, die dort einfach nur ihr Leben leben wollten?
Für die meisten Parteien eine schwierige Lage, da sie offensichlich aus diversen Gründen keine volle Bewegungsfreiheit genießen und eigentlich ohnehin nichts in dem ganzen Debakel zu suchen haben.(ausgenommen die direkt am Konflikt beteiligten Parteien) Was nicht wirklich klar ist, warum sich die "Möchtegern Helden" aus Übersee so sehr bedroht fühlen, daß sie permanent versuchen einem, immer symphatischer werdenden, momentan als Unbequemen aus Petersburg in Verruf geratenen, ungeniert ans Bein zu pinkeln. Vielleicht sollte man mal eine annonyme chatsite einrichten, wo sich all die Leute unerkannt ;o)) darüber austauschen können, die mehr oder weniger etwas zu sagen haben, ohne um ihren Gesichtsverlust fürchten zu müssen. Es ist tragisch, daß sich viele der vollen Verantwortung, welche sie tragen, bei weitem nicht bewußt sind. Leider ist es oftmals eine Art Spiel darum, wer die anderen besser auszutricksen vermag, um sich Vorteile zu verschaffen. Doch da wo Gewalt in jedweder Form hinzu kommt, ist es kein amüsantes, kurzweiliges Vergnügen mehr und sollte augenblicklich,aus Gründen der Verantwortung heraus gestoppt werden, ehe die Lage außer Kontrolle gerät. (Es gibt zu wenig Vernunft auf der Welt und zu wenige die wirklich zum denken bereit sind, anstatt blindlings in eine Mauer zu rennen, um sich postwendend die Birne anzuschlagen!!!) Niemand darf leichtsinnig über das Leben anderer entscheiden. (Wenn ich es mir genau überlege, sollte eigentlich gar keiner über das Leben anderer entscheiden!) Jemanden zu seinem persönlichen Spielball zu machen, ist nicht nur nicht nett, sondern haut einen selbst irgendwann aus den Socken! Es ist nur eine Frage der Zeit! Bleibt zu hoffen, das denjenigen die wirklich am Drücker stehen, bald ein Licht aufgeht und sie bemerken, daß man mit blutigen Aktionen nie einen Blumentopf gewinnt. Dort bleibt nur verbrannte Erde. Nicht alle auf der Gegenseite sind "böse". Jeder hat seine Liebsten, die er beschützen möchte. Warum sollen die des einen wertvoller als die des anderen sein????
Vielleicht braucht man gar nicht soviel Schutz.(Im Ernstfall nützt einem der beste Schutz ohnehin meistens nichts.)Und Viel Schutz ruft bei anderen viel Unmut auf den Plan. Denn dadurch wird jedwedes Vertrauen in Frage gestellt und sogar als Bruch deselben angesehen.(Denn wer wird bei dem Satz:" Hi Du bist mein Freund und Nachbar, aber ich sollte doch ganz dringend meine Grenzbefestigung zu Deinem Grundstück erhöhen,damit kein Gesinde herein kommt." nicht mißtrauisch?!) Vernunft, Verständnis,Vertrauen...alles Worte deren Gewicht schwindet, je weniger man Gebrauch davon macht. Letztendlich liegt es bei denen, denen wir irgendwie erlauben, Entscheidungen für und über uns zu fällen. Hoffentlich die Richtigen........

Anonym hat gesagt…

....noch was:
wirkliche Größe erhält der, der Fehler zugeben kann
und Macht zu haben bedeutet zu dienen, nämlich denen die Dir Macht geben.

in diesem Sinne
Gute Nacht
CK