Montag, 13. April 2015

Menschliches Armutszeugnis. Westlicher Boykott des 70. Jahrestags des Sieges in Moskau

Es entbehrte nicht eines gewissen demonstrativ-belehrenden Charakters, als westliche Politiker einer nach dem anderen verkünden ließen, sie würden dem 70. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland in Moskau fernbleiben. Schon früh haben vor allem die Amerikaner zu verstehen gegeben, dass sie die ganze Angelegenheit wie so oft nach dem Prinzip "entweder mit uns oder gegen uns" begreifen. Diejenigen, die sich Freisinn erlaubten, bekamen sogleich scharfe Zurechtweisungen, wie etwa der tschechische Präsident Milos Zeman, den der US-Botschafter in Prag öffentlich für seine Reiseplanung verurteilte, bis der einknickte. In der Kaserne namens NATO/EU hat jeder vermeintlich souverände Staat zu gehorchen.

Natürlich ist es ein großer moralischer Fehler und menschliches Armutszeugnis, die großen Meilensteine der Geschichte der aktuellen Tagespolitik unterzuordnen. Als im August des vergangenen Jahres Wladimir Putin allen Sanktionen und angespannten Beziehungen zum Trotz in die Normandie reiste, bewies er eine geistige Größe, die den westlichen politischen Kleingeistern von heute völlig abhanden gekommen ist. Denn bei den Gedenkfeierlichkeiten am Omaha Beach ging es nicht um Hollande, Merkel oder Obama, sondern um die Würdigung der Hunderttausende Soldaten der westlichen Alliierten, die damals ihr Leben für den Sieg über den Nazismus und Faschismus hergaben. Wenn westliche Politiker nicht zur Siegesfeier nach Moskau kommen, zeigen sie ihre Respektlosigkeit nicht in erster Linie gegenüber Putin, sondern gegenüber den Millionen Sowjetsoldaten, die bis 1945 gegen Hitlerdeutschland kämpften. Damit stoßen sie mit dieser symbolischen Geste viele heutige Russen weiter vom Westen ab, und zwar nachhaltig.

Ergebnis der systematischen Gehirnwäsche in Frankreich bzgl. WWII
Hinzu kamen zynische Bemerkungen von diversen geschichtsignoranten US-Funktionären in Europa sowie bewussten servilen Geschichtsrevisionisten wie etwa dem polnischen Außenminister Schetyna. Weshalb werde das Ganze überhaupt in Moskau gefeiert und nicht etwa in Berlin oder London? Derartige Töne sind Teil einer langfristig angelegten Strategie, Russland als das Land mit dem nachweislich größten Beitrag zum Sieg über Nazi-Deutschland und seine Verbündeten (ca. 85% aller Verluste der Achsenmächte in Europa entfielen auf die Ostfront), von diesem in der heutigen Politik störenden historischen Verdienst loszulösen, indem man ihn mißachtet, marginalisiert und zerredet. In der zynischsten, aber immer häufiger anzutreffenden Variante wird zwischen Nazi-Deutschland und Sowjetrussland sogar ein Gleichheitszeichen gesetzt. Für viele Russen, deren Großväter und Väter millionenfach im Kampf gegen die Nazi-Kriegsmaschinerie fielen und dabei vielen ostreuropäischen Völkern ihre pure Existenz inmitten Hitlers Vernichtunskrieg retteten, ist das sehr beleidigend. Doch offenbar ist das durchaus wünschenswert für diejenigen, die Spannungen und Spaltung in Europa gezielt schüren.

Auch Russland kann eine lange Liste von Vorwürfen und Enttäuschungen gegenüber der heutigen Westpolitik präsentieren, von offener Unterstützung des verfassungswidrigen Umsturzes in der Ukraine über zynisches Pfeiffen auf eigene Unterschriften (22. Februar 2014) bishin zur völligen Ignoranz der von Oligarchen finanzierten rechtsradikalen ukrainischen Kriegsverbrecher, die zur Unterdrückung auf die Ostukraine losgelassen wurden. Auch in Russland gibt es kaum jemand, der die Gesichter von Merkel, Hollande oder Obama besonders gern sehen möchte oder sich angesichts deren Nicht-Erscheinens "bestraft" fühlen wird, wie es sich die Boykottierer selbst gern ausmalen. Es geht in Wirklichkeit um mehr, als um diese Personalien. Als Repräsentanten ihrer Nationen stehen sie nicht nur für das Hier und Jetzt, sondern für das gemeinsame Fundament und das gemeinsame historische Erbe der modernen Zivilisation. Diesem hohen Anspruch werden die kleinkarierten Tiefflieger von heute keineswegs gerecht, sie diskreditieren sich selbst durch ihr Verhalten vor der Geschichte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Diese Art von Erziehung funktioniert schon bei kleinen Kindern nicht ohne das die Kränkung durch die Schmähung im Hinterkopf bleibt, warum sollte es also bei den großen aufgeschlossenen Kindern anders sein. Und die, die wirklich auf dem Weg des erwachsen seins sind, sehen darüber hinweg was andere machen oder in dem Fall unterlassen und gedenken der Gefallenen mit Achtung, damit es ein ewiges Mahnmal in unseren Köpfen bleibt, wie unnütz Opfer und Gewalt in Kriegen sind. Verschiedene Meinungen wird es immer geben, aber Tote können wir nicht wieder erwecken und die Erinnerung an Grausamkeiten wird uns ein Leben lang begleiten/ verfolgen!
Gruß CK

Anonym hat gesagt…

Russland ist fertig mit Europa.
Insofern ist das nur eine Bestätigung einer richtigen Entscheidung.

Anonym hat gesagt…

@anonym:
Mag sein, nur gibt auch hier ganz nette Menschen, so wie bei Euch auch. Zugegeben auch jede Menge geistig unreifer Idioten, nur gibt es die ebenfalls überall. Und damit müssen wir leben. Es wäre kurzsichtig zu glauben man könnte diese Komponente einfach folgenlos eliminieren oder einfach nur ignorieren. Ist leider wie in einer Beziehung. Man ist in gewisserweise dazu gezwungen sich um den anderen zu kümmern. Und durch davonlaufen,ignorieren ect. kommt man nicht aus der Bindung im eigenen Kopf heraus. Klar kannst Du sagen es schert mich nicht, nur macht es Deinen Kopf wirklich frei davon? Gruß CK

Anonym hat gesagt…

http://fe.termiten.net/node/141
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