Mittwoch, 20. Mai 2015

Die Ukraine-Politik des Westens steht vor einem Scherbenhaufen

Nur widerwillig und mit erheblicher Verzögerung rückten deutsche Mainstream-Medien die Information heraus, dass das ukrainische Parlament für ein Gesetz stimmte, dass es der Regierung erlaubt, die Schuldenrückzahlungen an ausländische Gläubiger zurückzuhalten. Mit dieser Drohung sollen die Gläubiger zu Umstrukturierungen und Stundungen der Schulden erpresst werden.

Betroffen sind vor allem große amerikanische Investoren, die im Besitz ukrainischer Staatsanleihen sind. Sie sind, genau wie die US-Regierung, von den verzweifelten Mätzchen aus Kiew alles andere als begeistert und wollen ihr Geld wiederhaben. Nicht, dass man in Washington nicht vermuten konnte, dass die Ukraine, nachdem ihre engen Wirtschaftsbeziehungen mit Russland torpediert wurden, zu einem finanziellen Pflegefall wird. Jedoch hat die Aussicht, große Schiefergasvorkommen in der Ostukraine unter traumhaften Konditionen ausbeuten zu können und damit Russlands Gas am europäischen Markt zu verdrängen, das Ganze aufgewogen. Nun, als diese Pläne durch den Aufstand im Donbass grandios gescheitert sind, bleibt dem Westen nur die Kehrseite der Medaille: das korrupte Land immer weiter mit Milliardenspritzen am Leben erhalten ohne Aussicht, die Kosten je wieder reinzuholen.

Aus diesem Grund hat sich die Tonlage der USA gegenüber Kiew und Moskau jüngst deutlich verändert. Während Kerry, Nuland und andere hohe Tiere zu den "isolierten" Russen fahren und durch demonstrative Höflichkeitsgesten Verhandlungen aufnehmen wollen (nicht zuletzt wegen dem anderen Scherbenhaufen rund um den vorrückenden IS), gibt es für Kiew erstmals öffentliche Kritik und Zurechtweisungen. Kerry ließ wissen, Poroschenko solle nicht daran denken, das Minsker Abkommen zu verletzen und Donezk militärisch angreifen, wie dieser zuletzt androhte. Auch am Stuhl von Arseni "Yats" Jazenjuk wird kräftig gesägt. Anfang 2014 war es Victoria Nuland, die im berühmten abgehörten "Fuck the EU"-Telefonat den "Yats" fürs Amt des Premiers empfahl. Heute ist es wieder Nuland, die für ihren Zögling, der völlige Inkompetenz bewiesen hat, Ersatz sucht. Ganz offen traf sie sich im Kiew mit dem Jazenjuk-Rivalen Ljowotschkin, der zuvor zu der Oligarchenclique rund um Janukowitsch gehörte. Das ist heute egal, denn alle politische Figuren in der Ukraine sind Chamäleons. Die USA suchen verzweifelt nach mehr Kompetenz, um zumindest das eigene Geld zurückzubekommen. Dass die Ukraine neues Geld vom IWF bekommt, ist angesichts der aktuellen Lage immer unwahrscheinlicher. Deswegen war heute schon mal die Meldung zu lesen, dass die Ukraine direkt vor dem Staatsbankrott steht.

Dem Präsidenten Poroschenko steht das Wasser bis zum Hals. Die Wirtschaftsleistung ist im 1. Quartal 2015 um 17,8 % eingebrochen, die Bevölkerung wird immer ärmer und wütender. Dieser Entwicklung versucht er mit immer schärferer Kriegsrhetorik entgegenzuwirken. Es wird immer wahrscheinlicher, dass er demnächst die nächste Kriegsrunde in der Ostukraine eröffnet, um die in- und ausländische Aufmerksamkeit darauf zu lenken und die Schuld an der Misere auf den Krieg bzw. auf den Gegner abzuwälzen. Poroschenko hat keine andere Wahl, als entweder auf den militärischen Sieg zu hoffen oder sich als Opfer der Russen darzustellen. Es wird wieder zu einer risikoreichen politischen Zerreißprobe, die der Westen so nicht mehr will, wenn man sich Kerrys Warnungen an Poroschenko in Erinnerung ruft. Der Westen hat wohl eingesehen, dass es in der Ukraine nichts mehr zu holen gibt und sucht nach Wegen, um ohne Gesichtsverlust aus dem Schlamassel rauszukommen. Russland und die Separatisten brauchen indes nur abzuwarten, bis die Ukraine von sich aus kollabiert und weite Gebiete von Charkow bis Odessa kampflos zum prorussischen Lager überwechseln. Ein Interesse am Krieg haben sie aktuell nicht. Nur die Abenteurer aus Kiew können heute den Krieg wieder aufleben lassen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tja, da sind wohl Einige in der Realität angekommen. Ende der Traumreise.
Letztendlich hat der Ukraine-Konflikt bewirkt, dass global die Karten auf dem Tisch liegen. Und dass der Kartenzinker wohl an den Katzentisch umziehen muss.
Und wir Deutschen sind dabei, wir haben uns ja angekettet. Zumindest die Person die laut Amtseid ´Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden´hat.
2015 als Jahr der Wahrheit?

Anonym hat gesagt…

Schokipeter scheint, mit einem Messer an der Kehle, auf Gratwanderung zu sein. Manchmal sieht man einen Hauch von Erkenntnis gemischt mit dem blanken Entsetzen über die Lage in der er sich befindet. Aber das kann auch täuschen. Jedenfalls sollten alle bei Äußerungen die Ruhe bewahren. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.Viel kann davon abhängen, keine übereilten Entscheidungen zu treffen, sondern sich Zeit zum nachdenken zu nehmen. Hier gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß - Vogel friß oder stirb.
Darum sollten sämtliche eigenen Ambitionen für den Moment außen vor bleiben. Darüber kann man später noch streiten äh verhandeln. :o)
Sichere, stabile Verhältnisse für alle sind wichtig. Teilen könnte dabei sehr hilfreich sein.
Neuerdings kommen Tauschhandel wieder in Mode. Was eine gute Idee zu sein scheint, wenn Leuten das Geld ausgeht.
Hoffentlich sind die lokalen Lohnausteiler clever genug,um zuerkennen, daß es rausgeschmissenes Geld wäre, die Marionetten an der Front weiter tanzen zu lassen, bei der derzeitigen Situation.
In dem Fall wäre es gut mal die breite Meinung der Betroffenen zu hören, denn es erscheint unwahrscheinlich, daß auch sie weitere finanzielle Mittel für Gemetzel gut heißen würden. Vermutlich wird das jedoch niemand öffentlich erwähnen, denn zuleicht verliert man als einzelner seinen Kopf. Sieht nicht so aus, als ob es für das Problem eine stabile Lösung ohne die Vernunft der Bevölkerung geben könnte.
Derart umfangreiche Probleme müssen auf allen Ebenen angegangen werden. CK

Anonym hat gesagt…

Wie bekommt man die Leute dazu nachzudenken, anstatt mit den Säbeln zu rasseln? Wäre es nicht viel vorteilhafter die Füße still zu halten, als ständig nach Osten zu schielen??? Dort sind die derzeitigen Erfolgsaussichten doch eher gering. Vor allem nachdem Papa klar gemacht hat, daß er dieses Unterfangen nicht billigen würde. Während man mit Ruhe und Geduld vielleicht doch noch zu einem Stück vom Kuchen kommt. Und das ohne das irgendjemand seinen Kopf dafür hinhalten muß. Zumal die eigene Position damit nur stärker werden kann, wenn man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnt, indem man zur Abwechslung mal Menschlichkeit zeigt und die eigenen Leute nicht nur als Mittel zum Zweck mißbraucht.....
CK

Anonym hat gesagt…

sicher keine vertrauen bildende Maßnahme: http://de.sputniknews.com/militar/20150523/302460508.html
Wer verzapft nur immer solchen Unfug! CK

Wolfgang Wilhelm hat gesagt…

Ukraine: So schlecht steht es um die Wirtschaft derzeit wirklich…
http://finanzmarktwelt.de/ukraine-so-schlecht-steht-es-um-die-wirtschaft-derzeit-wirklich-12720/

Anonym hat gesagt…

Hoffentlich einigen sich Oberen morgen auf einen vernünftigen Weg der denen hilft, die im Mittelpunkt des Schlachtfeldes stehen. Hier geht es um Schicksale und nicht um wirtschaftliche Interessen oder persönliche Abneigungen. All das verblaßt hinter vergossenem Blut und Tränen. Man kann sich auch streiten ohne das dabei jemand zu Schaden kommt. Außerdem rennen Streitgegenstände gewöhnlich nicht weg. Wenn man jedoch Leuten die Grundlage zum leben entzieht, gehen Sie ein oder Sie bilden Widerstand im zweifelsfall mit Gewalt...
Zu leicht vergisst man den Rest der Welt um sich herum, wenn es einem gut geht. Wir sollten nicht vor den exthierenden Problemen die Augen verschließen, als gingen sie uns nichts an. Wir kommen nicht voneinander los. Erst müssen alle Probleme gelöst werden, denn sie betreffen uns mehr oder weniger alle! Und solange wir helfen können, sollten wir helfen wo immer Hilfe von Nöten ist. Allerdings nicht mit Gewalt.
Gruß CK

Wolfgang Wilhelm hat gesagt…

Es gibt Menschen, die kann man am besten dadurch beleidigen, in dem man sie selber zitiert: https://www.youtube.com/watch?v=mSvsoRXlc_g

Jarah Eden hat in ihrem Kommentar das zusammengefasst:
Ab 2:53 - holla die Waldfee! "Pack your things and move to another country...", "if you are in MY country, speak ukrainian, not russian language...", "...but they're still human beings and not fashists" (so fashists are no human beings?! lol) Und dann kommt's richtig dick ab 3:36 "nationalism is when you're proud of your nation, you wanna hold it together and DON'T MIX IT WITH OTHER NATIONS (Hitler lässt grüßen) ...i would say it's more nationalism (Swoboda-Partei)..." Hinterher ein Cut, dann plötzlich das Gegenteil: "if Russians want to speak their own language, they can do it..." By the way: Russia economically SO BAD??! Unter der Führung von Putin stieg die Wirtschaft NUR bergauf und wer hat bei wem Schulden wegen nicht bezahlten Gas-Lieferungen? Etwa Russland bei der Ukraine? Nein, natürlich ist es umgekehrt!
und dann kommt doch noch was Wahres durch (12:29) "...and then we have America, who actually don't like Russia and they want to destroy Russia or whatever they wanna do with Russia..." hmmm eherrr... sollte einem zu denken geben..!