Sonntag, 9. Mai 2010

Der Tag des Sieges und seine Relativierungsversuche

Russland und viele andere Republiken der ehemaligen UdSSR sowie Staaten Europas feiern den Tag des Sieges über den Hitler-Faschismus. Der Vernichtungskrieg der Nazis forderte in der Sowjetunion über 26 Millionen Menschenleben, die meisten davon Zivilisten. Es gibt kaum eine russische, ukrainische oder weißrussische Familie, die während des Krieges keine Verluste zu beklagen hatte. Nicht zuletzt deswegen hat die Erinnerung an diesen Krieg eine sakrale Bedeutung für die Menschen in diesen Ländern. Mit dem Sieg über die Versklavungsmaschinerie der Nazis wurde das Recht auf Leben und Freiheit erkämpft, auf das Überleben der Nation.

Die deutsche Berichterstattung über das Kriegsgedenken wird der Bedeutung dieses historischen Ereignisses in keinster Weise gerecht. Zum einen ist eine gewisse Verwunderung zu spüren, dass die Russen immer noch den "alten" Bräuchen anhängen, die nach deutschen Verständnis längst überholt sein müssten. Das Festhalten an diesem Tag wird sinngemäß als Ausdruck russischer Rückwärtsgewandtheit, Militarismus und "Selbstinszenierung des Putin-Regimes" erklärt. Spiegel Online präsentierte just zum Tag des Sieges gleich fünf Artikel über den vermeintlichen Stalinkult in Russland, so als ob es an diesem Tag in erster Linie um Stalin geht. Und Welt Online fällt natürlich auch nichts Besseres ein, als einen Artikel des oppositionellen russischen Schriftstellers Viktor Jerofejew einzustellen mit dem Titel "Jeder Russe will ein Stalin sein". Warum muss das alles ausgerechnet am Tag des Sieges sein? Das Stalin-Thema ist ein sehr weites und ist nicht speziell mit diesem Tag verbunden, der für etwas ganz anderes steht. Das verstärkte Herumtrampeln auf Stalin, pünktlich zum Tag des Sieges, lässt einen bösen Willen zur Relativierung dieses Feiertags vermuten.

Dabei gibt es nicht mal einen ernsthaften Grund, Russland einen Stalinkult zu unterstellen. Die russichen Medien, das russische Kino und Literatur setzten sich sowohl in den Neunzigern, als auch heute intensiv mit stalinistischen Repressionen auseinander. Es gibt jede Menge Filme, Fernsehserien, Gedenkstätten und Archivmaterial, mit deren Hilfe jeder die Wahrheit erfahren kann. Auch der russische Staat gibt Stalin eine eindeutige Bewertung: ein Verbrecher, dessen Methoden durch nichts zu entschuldigen sind. Dass manche, vor allem ältere Menschen sich gegen all die Information, die heute vorhanden ist, stur stellen und ihre Meinung zu Stalin immer noch nicht verändert haben - ist eine Tatsache, gegen die man wohl nichts mehr wird machen können, ähnlich wie gegen unverbesserliche Anhänger des rechtsradikalen Gedankenguts in aller Welt. Wozu also diese tendenziösen, deplatzierten Angriffe am Tag des Sieges?

Dass die Deutschen die Bedeutung dieses Tages für Russland oftmals nicht im vollen Maße begreifen, liegt aber auch daran, dass die allgemeine mediale Beleuchtung dieses Krieges alles andere als ausgeglichen, gerecht und neutral ist. Die Fokussierung auf deutsche Opfer hat in letzter Zeit alles andere weit in den Schatten gestellt. Gebetsmühlenartig laufen in den öffentlich-rechtlichen Dokumentarfilme zu den Bombardierungen deutscher Städte, der Flucht aus den Ostgebieten, dem Untergang deutscher Schiffe, dem Schicksal deutscher Kriegsgefangener etc., so dass die junge Generation geradezu den Eindruck bekommen muss, die Deutschen wären die Hauptopfer des Zweiten Weltkrieges gewesen.

Themen wie die Hungerblockade von Leningrad, bei der etwa 1,1 Millionen Zivilisten an Erschöpfung ums Leben kamen, die unglaublichen Massaker an der Zivilbevölkerung im Zuge der "Partisanenbekämpfung", die genauso rücksichtslose Bombardierung von sowjetischen Millionenstädten durch die deutsche Luftwaffe, die über 3 Millionen sowjetische Tote in deutscher Kriegsgefangenschaft - all das ist kaum der Rede wert. Zwar ist das oberflächlche Wissen über die hohen Opfer der Sowjetunion bei den meisten Menschen vorhanden . Was das jedoch im Einzelnen bedeutete, woraus sich diese Zahl zusammensetzte, mit welchen Schrecken und Leiden die Menschen in der Sowjetunion konfrontiert waren - all das ist höchstens einem engen Kreis der Spezialisten bekannt.

Die Schieflage bei der Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges, die man in Deutschland beobachten muss, ist eine traurige Angelegenheit. Gerade das wäre ein Thema, das die Schreiberlinge in den Redaktionen, die sich so gerne als Anwälte der Moral präsentieren, nicht weniger als den vermeintlichen Stalinkult in Russland aufgreifen sollten. Man soll ja bekanntlich erst vor dem eigenen Stall kehren.

Kommentare:

Sepp Aigner hat gesagt…

Ein interessantes Blog. Zufaellig bin ich im Net News Globl Ticker darauf gestossen.

Stalin: Nein, abtun kann man die in seiner Regierungszeit nicht. Aber ihn mit Hitler zu vergleichen, ist abwegig. Stalin hatte grossen Anteil daran, dass die Nazis nicht zu Ausfhuehrung bringen konnten, was sie vorhatten, - und dass die SU bis 1941 einen Entwicklungsstand erreichte hatte, der die Abwehr ermoeglichte. Hitler hat im Interesse des Grosskapiatls ganz Europa erobert und zerstoert. Er ist auch fuer die Zerstoerungen in Deutschland verantwortlich. Stalin hat sich um die Verteidigung der Heimat und den Bestand der sowjetishen Nationen ein unsterbliches Verdienst errungen. Deswegen darf man die Verbrechen nicht vergessen. Aber seine Verdienste sind auch eine Tatsache.

Anonym hat gesagt…

Sein größter Verdienst war, dass er sich nicht für einen Gröfaz gehalten hat und seine Generäle einfach machen lassen hat. Was er aber nach dem Krieg mit eigenem Volk gemacht hat ist allerdings mit nichts zu entschuldigen. Aber zurück zum Artikel, der trifft wieder auf den Punkt, vor allem wenn man bedenkt, dass die Russen so ziemlich das einzige Volk ist, dass den Deutschen das geschehene absolut verziehen hat und sogar für einen sehr guten Freund ohne wenn und aber hält.
Waryag

der unbequeme hat gesagt…

@ beide Vorredner

Stalin ist in der Tat eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Man kann weder seine offensichtlichen Verdienste noch seine offensichtlichen Verbrechen abstreiten.

Und ja, er hat seine bescheidenen Fähigkeiten als Feldherr erkannt und sich zurückgenommen, was Hitler nie gelang. Allerdings hat Stalin auch erst viel Übles an der Front angerichtet, ehe er zu dieser Erkenntnis gelangte. Abgesehen von seinem naiven und unbelehrbaren Glauben daran, dass Hitler sich an den Nichtangriffspakt halten würde, was den Überraschungseffekt und die immensen Verluste im Jahr 1941 verursachte, bis zu den gigantischen Rückschlägen des Jahres 1942, als Hunderttausende Soldaten (z.B bei Charkov) eingekesselt wurden. All das geschah, weil Stalin nicht auf Schukow hörte und rechtzeitige Rückzüge nicht erlaubte.

Stalins einzige richtige Handlung im Krieg war es, sich ab 1943 zurückzunehmen. Ansonsten wurde der Krieg von der UdSSR TROTZ Stalin gewonnen, nicht wegen Stalin.

Mjuller hat gesagt…

Dieser Beitrag trifft den Kern des Problems der deutsch-russischen Beziehungen! Beide Seiten blockieren eine echte Annäherung, weil sie sich an Geschichtsdeutungen klammern, die eine echte Annäherung verhindern. Die deutsche Seite handelt dabei eindeutig gegen die eigenen Interessen, ist aber in dieser Hinsicht nur begrenzt souverän. Die russische Seite zieht scheinbare Vorteile aus ihrer propagandistischen Verwertung des Krieges, die Rechnung geht allerdings nur zum Teil auf.

In Deutschland lässt man allein die westliche Deutung zum Thema II. Weltkrieg gelten: Den Sieg haben die Amerikaner gebracht, die danach Deutschland großmütig auf den Pfad der Tugend zurückführten. Der Angriff auf die Sowjetunion zählt im Sündenregister nicht so schwer, den Stalin war ja genauso schlimm wie Hitler, wenn nicht noch schlimmer und die Russen haben sich schließlich durch Massenvergewaltigungen und Besetzung der Hälfte Deutschlands schadlos gehalten. Während die Verneigungen gegenüber den Westalliierten wohl nur von eine kleinen Elite ehrlich gemeint sind, entspricht die veröffentlichte Meinung gegenüber Russland wohl so ziemlich dem, was die Volksseele fühlt. Vielleicht ist das eine Art Ventil? Für jede deutsche Verbeugung vor den USA kriegen die Russen eine Tritt, dann ist das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt.

Und auf der russischen Seite? Die propagandistische Nutzung des Krieges ist eine der wenigen Bestandeile der sowjetischen Propaganda, die tatsächlich funktioniert hat. Durch den Sieg hat sich die Sowjetunion eine moralische Autorität angeeignet. Sie schreiben „Nicht zuletzt deswegen hat die Erinnerung an diesen Krieg eine sakrale Bedeutung für die Menschen in diesen Ländern.“ Das genau ist der Punkt: Diese „sakrale Bedeutung“ wurde und wird gehegt und gepflegt, verleiht sie dem Land und der Führung doch eine höhere Autorität nach innen wie nach außen. Auch hier gilt, dass die offiziellen Verlautbarungen und das, was das Volk denkt, nahe beieinander war, anders als bei vielen anderen sowjetischen Propagandathemen. Und weil man ein so tolles Propagandainstrument nicht verlieren will, andererseits aber die Menschen, die tatsächlich noch Erinnerungen an den Krieg haben, langsam wegsterben, muß die Führung versuchen, das Thema künstlich am Leben zu erhalten. Die Karnevalsparade auf dem Roten Platz diente genau diesem Zwecke. „Es gibt kaum eine russische, ukrainische oder weißrussische Familie, die während des Krieges keine Verluste zu beklagen hatte.“ Auch das ein Satz, der so ähnlich zu den Kernelementen der großen Erzählung vom großen Vaterländischen Krieg gehört. Das ist natürlich sachlich korrekt, aber glauben Sie wirklich, dass heute ein 18jähriger Leid empfindet, weil die Geschwister seines Urgroßvaters als Partisanen erschossen oder ins KZ verschleppt wurden? Wenn er es tut, dann weil es ihm eingeblasen wird, dass er das nicht vergessen darf.

Das für unser Thema (deutsch-russische Beziehungen) paradoxe daran ist, dass, anders als im Westen, das Thema Krieg praktisch gar nicht dazu verwendet wird, Deutschland moralisch und politisch zu erpressen. Äußerungen wie aus Griechenland, die Deutschen hätten auf Grund des II. Weltkrieges für die gesamten Schulden des Staates aufzukommen, sind aus Russland nicht zu hören. Der russischen Führung geht es darum, sich selbst im Glanz der Sieger von damals zu sonnen, und man hofft, sich auf diese Weise bei den Westaliierten anbiedern zu können. Dazu ist man sogar bereit, die absurde Geschichtsfälschung weiterleben zu lassen, auch die Franzosen hätten ihren Teil zum Sieg über Deutschland beigetragen. Dass man im Westen diese verzweifelten Versuche, die gerechte Anerkennung für das Leid im Krieg und die führende Rolle beim Sieg bestätigt zu bekommen nur ein Achselzucken übrig hat, scheint den Verantwortlichen im Kreml zu entgehen.

Ich sehe aus dieser Situation keinen Ausweg, da weder die Mehrheit der Deutschen vom Sündenbock Rote Armee lassen will, noch die russische Führung bereit zu sein scheint, auf das Opium „9. Mai“ zu verzichten.

Andreas S hat gesagt…

Jeder Text des Blogs ist so fehlerfrei, als hätte er ein Lektorat passiert. Bravo!

Demgegenüber steht aber Ihre Ignoranz gegenüber den Deutschen bei deren Meinungsbildung in Bezug auf die Verbrechen der eigenen Nation. Dieser Prozeß - hier in Deutschland - ist ungleich komplizierter als in Russland. Immerhin wurde das Nazideutschland von mehreren - von vielen! - Nationen bezwungen und jede einzelne Siegernation hat ihre eigene Version von den Ursachen des Krieges und den Verbrechen der Deutschen, die im Übrigen von den Besiegten nach Niederlage diskutiert wurden. Kontrovers. Nicht zu vergessen: Es gab sogar bis 1989 zwei deutsche Länder mit unterschiedlicher Interpretation der Geschichte.

Nun ist der Krieg seit zwei Generationen vorbei und innerhalb Deutschlands gab es den großen Generationskonflikt der 68er Generation gegenüber den Eltern, die sehr bemerkenswerte Rede eines deutschen Bundespräsidenten zum 40 Jahrestag der Befreiung (die auch heute noch den Deutschen als Orientierung gilt), dazwischen den Kniefall eines Bundeskanzlers und anderes mehr. Es gibt darüber hinaus zahlreiche unterschiedliche deutsche Filme und Dokumentationen und diese finden sich auch in diversen journalistischen Beiträgen wieder.

Wieder bemühe ich mich, Sie auf Ihren Grundirrtum aufmerksam zu machen: Die deutschen Journalisten sind keine gleichgeschaltete Masse, es gibt - anders als in Russland - KEINE Vorgaben, keine Temniks, wie über Ereignisse zu berichten ist und selbst der von Ihnen angeführte Spiegel berichtet "einerseits und andererseits". Und dass darüber hinaus die deutschen Journalisten nicht den Vorgaben des Kremls folgen, ist deren gutes Recht.

Mit Verlaub: Das was sie über Stalin in Ihrem Kommentar schreiben, kann ja wohl nicht ernsthaft Ihrem Wissen entsprechen?! Ausgerechnet Stalin "naiven und unbelehrbaren Glauben daran, dass Hitler sich an den Nichtangriffspakt halten würde" zu unterstellen, ist gerade lachhaft, wenn es über einen Menschen behauptet wird, der noch nicht einmal seinen allerengsten Verbündeten traute. Und solche Relativierung eines verbrechers, wie "Ambivalente Persönlichkeit" - "Offensichtliche Verdienste" - sollten Sie besser zurücknehmen, wenn sie glaubhaft bleiben wollen.

(Am Rande) Wie jedes Jahr, so auch 2010, zeigte das Russische Fernsehen eine Woche lang den Heldenkitsch der Filme aus der Stagnationsperiode und den Jahren davor, bis zurück aus dem Kalten Krieg - und zwar in geballter Masse. Unkommentiert. "SLAWA! - SLAWA! - SLAWA!" Ist das Ihrer Meinung nach die bessere Form der Auseinandersetzung mit einem historischen Ereignis?

Anonym hat gesagt…

"Die deutschen Journalisten sind keine gleichgeschaltete Masse, es gibt - anders als in Russland - KEINE Vorgaben, keine Temniks, wie über Ereignisse zu berichten ist und selbst der von Ihnen angeführte Spiegel berichtet "einerseits und andererseits".

Ihre Behauptungen sind nichts weiter als Luft. Man merkt es daran, dass Sie sich nicht einmal generien der russischen Medienlandschaft exakt das gleiche zu unterstellen. Unterste Schublade.

Andreas S hat gesagt…

Man wird es wohl irgendwann einmal "Russische Verteidigung" nennen, wenn sich jemand nur auf die Behauptung stützt, der jeweils Andere habe keine Ahnung.

Mjuller hat gesagt…

Den Aussagen von Andreas S. stimme ich im Großen und Ganzen zu, bis auf das, was zu den deutschen Journalisten gesagt wurde. Natürlich ergehen keine direkten Anweisungen an die Medien, wie Russland zu behandeln ist. Aber als Journalist merkt man sehr schnell, was man sagen kann und was nicht. Das fällt den Außenstehenden gar nicht auf, denn solange man die Grenzen beachtet, scheint die Freiheit grenzenlos zu sein. Man kann sagen, dass Angela Merkel eine schlechte Kanzlerin ist. Man darf schreiben, dass Guido Westerwelle seine Amigos zu Dienstreisen mitnimmt. Man kann sich darüber aufregen, dass unsere Politiker käuflich sind. Wer aber sagt, dass die Darstellung Russlands bei uns einseitig bis falsch ist, der stellt sich ins Abseits. Siehe Schröder. Selbst ein Ex-Kanzler wird als Einflußagent des Kremls diffamiert, anders als die vielen, die im Solde Amerikas stehen und uns einblasen, dass wir alles machen müssen, was unsere „Freunde“ von uns wollen. Journalisten wie Josef Joffe oder Boris Reitschuster machen mit ihrer russophoben und amerikahörigen Haltung Karriere, wer sich für Russland ausspricht, wird marginalisiert. Darum braucht es kein Propaganda-Ministerium, jeder weiß, wo die roten Linien sind und die allermeisten halten sich daran.

Mjuller hat gesagt…

Den Aussagen von Andreas S. stimme ich im Großen und Ganzen zu, bis auf das, was zu den deutschen Journalisten gesagt wurde. Natürlich ergehen keine direkten Anweisungen an die Medien, wie Russland zu behandeln ist. Aber als Journalist merkt man sehr schnell, was man sagen kann und was nicht. Das fällt den Außenstehenden gar nicht auf, denn solange man die Grenzen beachtet, scheint die Freiheit grenzenlos zu sein. Man kann sagen, dass Angela Merkel eine schlechte Kanzlerin ist. Man darf schreiben, dass Guido Westerwelle seine Amigos zu Dienstreisen mitnimmt. Man kann sich darüber aufregen, dass unsere Politiker käuflich sind. Wer aber sagt, dass die Darstellung Russlands bei uns einseitig bis falsch ist, der stellt sich ins Abseits. Siehe Schröder. Selbst ein Ex-Kanzler wird als Einflußagent des Kremls diffamiert, anders als die vielen, die im Solde Amerikas stehen und uns einblasen, dass wir alles machen müssen, was unsere „Freunde“ von uns wollen. Journalisten wie Josef Joffe oder Boris Reitschuster machen mit ihrer russophoben und amerikahörigen Haltung Karriere, wer sich für Russland ausspricht, wird marginalisiert. Darum braucht es kein Propaganda-Ministerium, jeder weiß, wo die roten Linien sind und die allermeisten halten sich daran.

Andreas S hat gesagt…

Geht man ins Detail, wird es komplizierter. Worum es geht, steht im Untertitel des Blogs, nämlich: "Blog zur Analyse der Medienlügen über Russland" und entsprechend ist der Duktus der Postings hier. Denn "Lügen analysieren zu können" unterstellt der anderen Seite Verlogenheit und das ist keine gute Ausgangssituation für einen Disput.

Zum Thema: Die Niederlage im letzten Großen Krieg hat die Deutschen unendlich viele Auseinandersetzungen gebracht, untereinander, aber auch seitens der Sieger. Jahrzehntelang. Und dies hat die Deutschen in summa toleranter gemacht.

"Die deutsche Berichterstattung über das Kriegsgedenken wird der Bedeutung dieses historischen Ereignisses in keinster Weise gerecht." - das ist der Knackpunkt. Man kann die deutschen Dokumentationen gut oder schlecht finden. Und schließlich wird man sich darauf einigen können, dass deutsche Berichterstattung zum 8./9.Mai 2010 nicht der russischen entsprach. - Das aber ist gut so!

Mjuller hat gesagt…

Keine der Darstellung in den Massenmedien ist wohl ideal. Bei uns wird die Rolle der Russen einseitig als Plünderer und Vergewaltiger dargestellt. Die Angelsachsen präsentieren sich als strahlende Sieger und uns Deutsche als tumbe Teutonen. Ich frage mich, warum Serien wie "In Käfig voller Helden" in Deutschland gezeigt werden. Ich glaube, daß das ein Grund für die vom Unbequemen durchaus zu Recht angepraterte Russophobie in Deutschland ist. Bei den Westallierten müssen wir die Zähne zusammenbeißen und noch die dümmste Geschichtsklitterung schlucken. Darum reagieren wir diese Demütigungen bei den Russen ab, was nicht gefährlich ist.

Die Russen lügen sich selbst in die Tasche. Sie betaäuben sich an einer Heldensage, die mit der Realität wenig gemeinsam hat. Es wäre gut - nicht für uns, sondern für die russische Gesellschaft - wenn es hier zu einer ernsthaften Aufbereitung käme. Genauso wäre es für uns gut, wenn wir endlich wegkämen von unserem verzerrten Rußlandbild.

Natürlich gibt es überall, in Deutschland, Rußland, den USA etc. auch differenzierte Darstellungen, aber entscheidend ist doch, was der Mainstream konsumiert.


(Mein letzter Beitrag ist leider zwei mal erschienen, einer davon könnte gelöscht werden)

Mjuller hat gesagt…

PS: Und es ist bemerkenswert, daß die Deutschen in den meisten sowjetischen Kriegsfilmen weit weniger karrikiert dargestellt werden, als das in amerikanischen oder Englischen Filmen der Fall ist. Anders als in Amerika, England, Frankreich oder Holland gibt es in Rußland keinen offenen oder latenten Deutschenhass.

Andreas S hat gesagt…

Natürlich ist solches Verhalten keineswegs!
Prost!

der unbefriedigte hat gesagt…

leider scheint der Unbequeme recht bequem geworden zu sein.

Hier stehen einige thesen, die sich kontrovers diskutieren liessen (bis auf die pöbeleien des letzten anonymus). Leser machen sich die mühe, das thema geistig zu durchdringen und zum dank - schweigen.

Die gegenseite ist da fixer. Im blog La Russophobe ist immer was los. Zwar sind die alle da total krank, aber es ist leben in der sache. Und hier?

Anonym hat gesagt…

Спасибо понравилось !

Andreas hat gesagt…

Höchstes Lob an den Unbequemen! Wie richtig sein Artikel sitzt, zeigen die Kommentare. Die meisten "trampeln" auf Stalin los, als ob sie den ursprünglichen Text einfach nicht begreifen wollten, die die es nicht tun unterstellen Kreml die Versuchung in Ruhm der Heimatverteidiger zu sonnen. Dabei wäre es ein Leichtes zu verstehen, was dem Russen am 09. Mai liegt, wäre man nur nicht deutsch.
Unsere Tragödie gleichzeitig Stalins Diktatur zu haben und gegen die Nazis mit ungeheuren 27 Mio. menschlicher Verluste ums nackte Überleben kämpfen zu müssen wird wahrscheinlich von den anderen unverstanden bleiben. Was soll`s, für uns Russen ist und bleibt sie sakral wie Ostern für die Juden. Wir feiern das Überleben genauso wie die Juden das tun und gedenken unserer schrecklichen Opfer.
Ja, lieben Deutsche, da gibt es auf der russischen Seite nichts aufzubereiten. Und was ist mit Vergewaltigungen und Plünderungen? Der Russe hat nichts angerichtet, was die Deutschen tausendmal schlimmer und unmenschlicher nicht in unserer Heimat angerichtet haben. Da könnte man doch in Deutschland ein Dokufilm über die deutschen Verbrechen drehen. Das Problem ist dabei, die Opfer sind alle tot und geben keine Interviews mehr. Stattdessen redet man lieber über die Deutschen „Opfer“. Schweiget! Ihr hättet ausgelöscht sein können. Die Rechtfertigung dafür hatten die Russen allemal…

Daniel Leon Schikora hat gesagt…

Dass frühere sowjetische Teilrepubliken wie Russland, Belarus und Armenien den geschichtsrevisionistischen Vorstößen antirepublikanischer Elemente insbesondere in den "Frontstaaten" von Nato und EU entschlossen entgegentreten, verdient höchste Anerkennung. Ein Schlaglicht auf die Virulenz der geschichtspolitischen Attacken gegen das Vermächtnis der Anti-Hitler-Koalition auch auf der Ebene des Europarates wirft der Fall des Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges Wassilij Kononow: http://danielleonschikora.blogspot.com/search/label/Kononov

Anja hat gesagt…

Ich denke das ganze Thema ist sehr schwierig. Stalin war ein Verbrecher, und irgendwie auch Retter. Seine Rolle in der Geschichte wird ja selbst von Historikern unterschiedlich gesehen. Ich denke jeder hat mit seiner Meinung ein Stück weit recht.