Freitag, 2. März 2012

Geheime Zeitmaschinentechnologie im Dienste fairer Wahlen

Drei Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Russland sind Videos an die Öffentlichkeit gelangt, die Verstöße und Manipulationen am 4. März dokumentieren.



Die obere Zusammenstellung zeigt vorausgefüllte Listen der Wähler, die bereits abgestimmt haben, Nachbearbeitung der Wahlzettel durch die Wahlkomission sowie das Erteilen von Instruktionen für Wahlfälscher. Natürlich alles zugunsten von Putin. An dieser Stelle muss eins klar gestellt werden:

Viel eher ist anzunehmen, dass der russischen Opposition eine geheime Zeitmaschinentechnologie bekannt ist, als dass sie die Menschen anlügen könnte. Denn jeder weiß, dass Kämpfer für Freiheit und Demokratie niemals mit unsauberen Methoden arbeiten! Vermutlich haben sie von dieser wunderbaren Technologie Gebrauch gemacht, um uns schon im Voraus vor den Machenschaften der dunklen Kräfte zu warnen!

Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass die tapfere Opposition jeweils zu Videomanipulationen, wie unten, greifen würde.




Alle Belege, die es geben wird, werden mit Sicherheit echt sein! Denn ein Interesse am Lügen können Putin-Gegner nicht haben!

Montag, 27. Februar 2012

Der Grund für westlichen Hass ist Putins Bilanz

Die ARD zeigte am Montagabend zwei Filme über Russland, die wohl ein komplemetäres Paar bilden sollten.

Der erste, mit dem Titel "Ich, Putin", versuchte ein Porträt Putins aus allernächster Nähe zu zeigen, was nicht zuletzt durch Putins freundliches Entgegenkommen möglich wurde - etwas, was man bei den meisten westlichen Politikern vergeblich sucht. Die Chance, etwas Neues und Interessantes zu zeigen, wurde von dem Macher Hubert Seipel allerdings kläglich vertan: altbekannte Stereotypen, selektive Bilder, aus dem Kontext gerissene Auftrittsfetzen.

Als vermeintliches Gegengewicht wurde gleich im Anschluss ein zweiter Film gezeigt: "Zarendämmerung" von Ina Ruck. Dort wurde ausgiebig und pathetisch über die "breite" Protestbewegung gegen Putin berichtet, wobei fast immer nur Bilder aus ein und derselben Demo gezeigt wurden. Ohne die Parteilichkeit für die Protestler zu verstecken, schienen die Macher fleißig gewesen zu sein und alle noch so marginalen Aktivisten ausgegraben zu haben: den Rapper Noize MC, einige hirnverbrannte Dörfler (gerade bei Putins nachweisbar erhöhten Popularität auf dem Land), ein versprengtes Trupp der Aktivisten aus Jekaterinburg (eigentlich gilt der Ural als Putins Hochburg). Und natürlich einige aus der immer unzufriedenen und schluchzenden Petersburger Intelligenzija, die geistig auf ihrem eigenen Planeten lebt.

Die vermeintliche Ausgewogenheit des Filmpaares - ein Film über Putin und einer über die Protestbewegung - war in Wahrheit eine Mogelpackung. Für ein ausgeglichenes Bild fehlte nämlich die entscheidende Komponente: die große Mehrheit der repräsentativen Russen. Ihre Argumente, ihre Lebensentwicklung in den letzten Jahren, ihre Meinungen und Präferenzen. Kein Wort konnte man über die wahren Meinungsverhältnisse im Land erfahren (siehe Beitrag unten), die auch von den unabhängigen Instituten bezeugt werden. Über die große Mehrheit kann man im deutschen Fernsehen höchstens aus ein paar verächtlichen Worten der Minderheit erfahren.

Die Fakten aus Putins Bilanz sind offen zugänglich und von niemandem widerlegbar. Eine Reihe von Kennzahlen sprechen eine deutliche Sprache: auf der einen Seite über das von ihn geerbte völlig desolate, auf den Zerfall zusteuernde und in jeglicher Hinsicht heruntergekommene Land, ob wirtschaftlich, sozial oder ethisch-moralisch. Auf der anderen Seite das wiedererstarkte Land, das wieder Optimismus für die Zukunft schöpfen kann. Hier eine kleine Übersicht schlichter Fakten, auf die kein deutscher Sender seine Aufmerksamkeit fokussieren wird:

Kennzahl 2000 2010
Veränderung
BIP in Mrd. US-$ 1.123 2.211 +96,7%
Außenhandel in Mrd. US-$ 149 648 +432%
Handelsbilanz in Mrd. US-$ 61 152 +250%
Außenschulden in Mrd. US-$ 166 28 -83,3%
Inflation in % 20,2 8,8 -56,5%
Industrieproduktion 100% 147% +47%
Löhne, inflationsbereinigt 100% 242% +142%
Renten, inflationsbereinigt 100% 331% +231%
Einzelhandel 100% 256% +156%
Armutsrate in % 29 12,6 -56,6%
Arbeitslosigkeit in % 10,6 7,5 -29,2%
Geburten in Tsd. 1.267 1.790 +41,3%
Sterbefälle in Tsd. 2.225 2.031 -8,7%
Bevölkerungsabnahme in Tsd. 959 241 -74,9%
Säuglingssterblichkeit in Tsd. 19,3 13,4 -30,6%
Lebenserwartung in Jahren 65,3 69
Verbrechen in Tsd. 2.952 2.629 -10,9%
Morde in Tsd. 31,8 15,6 -50,9%
Selbstmorde in Tsd. 56,9 33,3 -41,5%
Alkoholvergiftungen in Tsd. 37,2 14,4 -61,3%
Abtreibungen pro 100 Geburten 168,8 66,3 -60,8%

Quelle: Rosstat, das russische Statistikamt

Anhand dieser Zahlen wird deutlich, was Putin für Russland geleistet hat. Die Millionen Menschenschicksale, die hinter diesen Zahlen stehen, bilden genau jene Mehrheit, die Putin am 4. März wiederwählen wird. Und genau jene Mehrheit, die keine Stimme in der deutschen Medienlandschaft bekommen soll und höchstens nebenbei als eine gehorsame dumme Biomasse erwähnt wird.

Doch trotz all der Unscheinbarkeit und der untergeordneten Rolle dieser Fakten in den Ausführungen der Vorderste-Front-Propagandisten wie Ina Ruck, Michael Stürmer, Benjamin Bidder, Britta Hilpert, Anne Gellinek und wie sie alle heißen, sind genau diese Fakten der wahre Grund für den abgrundtiefen Hass der westlichen Eliten auf Putin.

Denn Putin verkörpert ein Russland, das niemand von ihnen gerne sieht: ein materiell und vor allem mental selbstgenügsames Land, ohne ausgestreckte Hand, ohne williges Fügen unter die westliche Lehrmeisterei, ohne Marionetten wie Jelzin, für den der Westen massiv gefälschte Wahlen wie 1996 kritiklos hinnahm. Ein Land, das seine Reichtümer nicht für einen Appel und ein Ei verscherbelt. Ein Land mit eigener Meinung, eigenen Interessen und vor allem wieder mit einer Zukunftschance. Genau dieses Herumreißen des Ruders ist das, was Putin nicht verziehen werden kann. Ein wiedererstarkendes Russland reizt. Es erscheint nach dem Ende des Kalten Krieges unverständlich, unerwartet und widernatürlich.

Für die Mehrheit der Menschen in Russland bleibt die westliche Hetze im digitalen Zeitalter nicht unbemerkt. Viele fragen sich, warum der Westen umso mehr gegen Putin hetzt, je besser es Russland geht. Und kommen unweigerlich zu der simplen und korrekten Schlußfolgerung: Es handelt sich um pure Mißgunst gegen Russlands Gesundung. Folgerichtig werden Meinungen aus dem Westen schon seit geraumer Zeit mit umgekehrten Vorzeichen wahrgenommen.

Vielleicht wird es die genannten "Journalisten" und ihre Zunftkollegen überraschen, doch auf diese Weise wirken sie durch ihr propagandistisches Abmühen sogar begünstigend für Putins Wiederwahl. Schon lange wissen die meisten repräsentativen Russen: wenn der Westen Gift und Galle spuckt, ist das ein Indiz dafür, dass sich ihr Land auf dem richtigen Weg befindet. Gibt es Applaus, ist Vorsicht geboten.

Freitag, 24. Februar 2012

Kalte Dusche für Putins Möchtegern-Totengräber

Da bemühten sich die deutschen Mainstream-Medien so redlich, das Bild eines untergehenden Autokraten zu zeichnen und ihrer Leser- und Zuschauerschaft einen "russischen Frühling" vorzugaukeln. Und nun muss man zähneknirschend eingestehen: Putins Popularität liegt laut Umfragen auf einem Niveau, auf dem sie das ganze letzte Jahrzehnt lag - bei etwa 60 Prozent oder höher. Das unabhängige, sogar eher der Opposition zugeneigte, Meinungsforschungsinstitut Levada-Zentrum gab bekannt, dass ca. 66% der Befragten bei der kommenden Wahl für Putin stimmen wollen.

Die beiden staatlichen Meinungsforschungsinstitute VCIOM und FOM waren etwas bescheidener und sahen Putin bei "nur" 59 Prozent. So oder so würde Putin bereits im ersten Wahlgang nach allen demokratischen Regeln die Wahl gewinnen.

Da aber nicht sein kann, was nicht sein darf, werden in den deutschen Medien noch reflexartig "Erklärungen" bemüht: Menschen werden zu Pro-Putin-Demos "herangekarrt"; sie erhalten "Drohungen"; die "Gebildeten" seien ohnehin "alle" gegen Putin; die Wahlen würden wieder "manipuliert" werden; Putin werde zu oft im Fernsehen gezeigt. So versucht man, die hierzulande unliebsame Position der meisten Menschen zu diskreditieren und sie als eine willenlose Schafherde darzustellen. Angesichts der eindeutigen Pro-Putin-Verhältnisse wird dieses Unterfangen aber immer schwieriger, denn für selbstständig denkende Deutsche sind solche "Gründe" natürlich nicht ausreichend. Dementsprechend dürfen wir uns demnächst auf eine immer lustlosere und ausweichendere Russland-Berichterstattung einstellen.

Sonntag, 5. Februar 2012

Syrien-Resolution scheitert an Einseitigkeit

Das mediale Gekreische ist wieder mal unüberhörbar: Russland und China haben es gewagt, die westliche Resolution zu Syrien nicht abzusegnen. Nachrichtensender N-TV schäumt vor Empörung: "Russland schürt Wut und Frust", die Springer-Welt stimmt mit ein: Russland zeigt die hässliche Fratze des Kalten Krieges. Ähnliche Meinungen findet man in allen anderen gleichgeschalteten Medien. Bei all der deklarativen Meinungsvielfalt im Westen findet man so gut wie kein bedeutendes Medium, das auch nur ein Gegenargument anführen oder einräumen würde. Echter Pluralismus herrscht nur in Leserforen.

Der ganze geballte Qualitätsjournalismus scheitert bereits an der einfachen Erklärung, warum es zu keiner Einigung zwischen dem Westen und Russland/China gekommen ist. Die Ursache war, dass die beiden Mächte eine ausgewogene Resolution wollten, in der nicht nur die syrische Regierung zum Gewaltverzicht aufgerufen wird, sondern auch die Rebellen. Nur weil diese gegen Assad kämpfen, sind sie, wie ihre libyschen "Kollegen", nicht automatisch Demokraten. Oft genug werden unter dem Deckmantel des politischen Kampfes Bürgerkriegszustände herbeigeführt, um rauben und plündern zu können. Dabei ist die Legitimität dieser Menschen fraglicher Herkunft nicht gerade höher, als die Assads, auch wenn sie der Westen reflexartig bejubelt. Ferner wird von Russland und China ein Ausschluss von Militäreinsätzen gegen Syrien gefordert. Diese legitimen Forderungen sind als eine fortgehende Verteidigung des Völkerrechts und des Souveränitätsrechts der Staaten zu verstehen. Der Prinzipien also, die vom Westen schon seit geraumer Zeit zugunsten seiner Interessenspolitik verwässert werden. Auch im Fall Syrien geht es dem Westen letztlich um einen Regimesturz, sonst wäre man von den Forderungen der Russen und der Chinesen nicht so gereizt.

Die angemessene und detaillierte Beleuchtung des Verhandlungsknackpunkts im UNO-Sitzungssaal ist verständlicherweise nicht zielführend, da sie ja einen großen Teil der Leserschaft auf unerwünschte Gedanken bringen könnte. Stattdessen verlieren sich die Medien in abstrakten Hinweisen darauf, dass Russlands autoritäre Führungsriege "instinktiv" Despotenregime verteidige und obendrein um seine Waffenexporte besorgt sei. Gleichzeitig gebe es Syrien Morde an Menschen. (Welche Seite diese Morde genau verübt, wird nicht näher angeschaut).

Möglicherweise wäre es für den Westen heute leichter, Russland und China zu überreden, wenn er nicht bereits die Libyen-Resolution ad absurdum geführt hätte. Damals haben Russland und China mit ihren Enthaltungen den Weg für die Einrichtung einer Flugverbotszone frei gemacht. Doch dann kam es zum nicht sanktionierten Einsatz militärischer Gewalt gegen Libyen - eine klare Verletzung und Überschreitung der Resolution.

Dass die ganze Demokratie- und Menschenrechtsrhetorik der USA verlogen ist, zeigt indes das Beispiel Saudi-Arabien. Ein Land, in dem öffentliche Hinrichtungen stattfinden, in dem Frauen keine Autos fahren dürfen und wo es nicht mal im Ansatz einen demokratischen Wahlprozess gibt, ist der beste Freund und einer der größten Waffenkunden der USA. Kritik an der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien? Fehlanzeige. Ohne zu erklären, warum US-Waffenverkäufe an Saudi-Arabien besser oder legitimer sein sollen, kritisiert eine Hillary Clinton den gleichen Sachverhalt, wenn es um Russland und Syrien geht. Versteht sie wenigstens noch ihre Doppelmoral, oder ist Heuchelei bereits zu sehr ins Blut übergegangen, um sie noch zu registrieren?

Dienstag, 31. Januar 2012

Anti-Putin-Propaganda immer absurder

Die obligatorische Anti-Putin-Propaganda der deutschen Medien nimmt immer absurdere, unprofessionelle und erzwungene Züge an. Zuletzt wurden dankbar Gerüchte aufgegriffen, Putin lasse mit Zuckerbrot (Geld) und Peitsche (Drohungen) Demonstranten zu "Jubeldemos" karren.

Ohne verlässliche Quellenangaben verkünden Spiegel, Welt, Bild, Focus und Co., dass für die Teilnahme an den Demos umgerechnet ca. 20 Euro angeboten werden. Die Angebote sollen sogar offen zugänglich auf Internetplattformen aufzufinden sein. Dass die ach so bösen Putin-Schergen überaus blöd wären, ihren politischen Gegnern mit solchen Schritten eine Steilvorlage zu liefern, fällt den "mit allen Wassern gewaschenen Vollprofis" in den Redaktionen nicht auf. Auch dass das, wenn es wirklich stimmen sollte, eher nach billigen Provokationen der Gegenseite aussieht.

Ferner wird den Putin-Anhängern vorgeworfen, mit Konzerten und Essen zu den Kundgebungen "gelockt" zu werden. Wie hinterhältig! Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand während der Orangenen Revolution hierzulande bemängelt hätte, dass auf dem Maidan eine riesige Showbühne mit Laserlicht und Popmusik stand, ganz zu schweigen von der Feldküche. Dorthin waren zweifelsfrei alle ausnahmslos aus politischen Gründen gekommen.

Süß ist auch wie die Medien immer wieder den "Schriftsteller" Limonow instrumentalisieren, um die Message zu bekräftigen. Dieser werde samt Anhängern abgeführt, nachdem er die Versammlungsfreiheit forderte. Detaillierter auszuführen, was seine radikale National-Bolschewistische Partei sonst noch so fordert, wäre für den Erfolg der Message vermutlich genauso wenig hilfreich, wie schon die reine Nennung des Parteinamens, den die sorgfältigen Artikelmacher natürlich elegant umschiffen.

Es ist weniger das unkritische Aufgreifen aller noch so abstrakten Anti-Putin-Gerüchte und die Berichterstattung nach dem Motto "es wurde gehört, das jemand gehört hat, das jemand etwas gemacht haben soll", die noch zu erstaunen vermag. Auch dass ein solches Vorgehen nur in die eine Richtung praktiziert wird und niemals gegenteilige Gerüchte über Bezahlungen für Anti-Putin-Demos abgedruckt wären, versteht sich. Bemerkenswert ist jedoch der beinah identische Text der "Qualitätspresse" im Land des Pluralismus und der Meinungsfreiheit:

Spiegel
Focus
Welt
Bild
NZZ

Dabei lässt sich die Tatsache, dass Putin weiterhin die höchsten Vertrauenswerte aller russischen Politiker genießt (ca. 50%), zwar nicht widerlegen, dafür aber schön unter den Teppich kehren. Sonst könnte der Leser ja auf den Gedanken kommen, dass die Pro-Putin-Demos angesichts dieses Umstands ja doch gar nicht so unecht sein müssen.

Freitag, 30. Dezember 2011

Fox News sorgt wieder für Heiterkeit

Auf den kürzlich veröffentlichten Bericht des russischen Außenministeriums, in dem jüngste negative Entwicklungen im Bereich der Menschenrechte in den USA angesprochen werden (Fox News erwähnt hier nur unbefristete außergerichtliche Haft und Einführung der Kriegstribunale), hat der Sender eine besonders schlagfertige Antwort gefunden: Josef Stalin soll 16 Mio. Menschen auf dem Gewissen haben.

Samstag, 10. Dezember 2011

Fälscher der Fälschungen

40 Tausende Protestierende in Moskau klingt zunächst beeindruckend. Setzt man sie jedoch zu der Gesamtzahl der Bewohner Moskaus (ca. 11 Mio. Menschen, die Agglomeration außen vor gelassen) ins Verhältnis, sind aber ganze 0,0036%. Genau das soll der russische Volkszorn sein, den die westlichen Medien zur Zeit bejubeln.

Lohnend ist auch der Blick auf die Zusammensetzung der Protestierenden. Der bunte Haufen ist stark durchmischt mit radikalen und per se nicht-einvestanden Nationalbolschewisten um Eduard Limonov sowie mit der radikaloppositionellen Gruppierung PARNAS. Ihre Anführer sind der Jelzin'sche Ex-Premier Michail Kasjanow (Spitzname aus den Amtszeiten Mischa Zwei Prozent), der ultraliberale Ex-Gouverneur Nischni Nowgorods Boris Nemzow sowie der Schachweltmeister Garri Kasparow, den es neuerdings in die Politik verschlug. Alle drei sind häufige Gäste in US Think Tanks, sie lieben es, durch die USA zu touren und vor dem amerikanischen Publikum Schauergeschichten über ihre Heimat zu erzählen. Kasparov ist Mitglied im "Center for Security Policy", dessen erklärtes Ziel "the defence of the United States and American values around the world" ist. Sich zusammenzureimen, wer PARNAS finanziert, ist keine schwierige Aufgabe.

Zwar hat die OSZE, deren Unparteilichkeit ebenfalls diskussionswürdig ist, auf Verstöße bei der Wahl hingewiesen. Sie hat diese Aussage aber abstrakt gehalten und die Ausmaße nicht konkretisiert. Vermutlich weil es beim näheren Hinschauen nicht wirklich viel zu berichten gäbe. Dass in einem so großen Land hier und da Verstöße auftreten, kann an sich als vollkommen normal erachtet werden. Auch in den superdemokratischen USA kann man nach jeder Wahl eine entsprechende Verstoßliste anfertigen. Entscheidend ist, welches Ausmaß die Verstöße haben und ob sie die Wahlergebnis spürbar beeinträchtigen. Bei den Parlamentswahlen in Russland kann das schwerlich der Fall gewesen sein, da die amtlichen Ergebnisse sowohl mit den Umfragen vor der Wahl, als auch mit den unabhängigen Exit-Polls übereinstimmen. Das Aufbauschen der im Hintergrundrauschen immer und überall vorhandenen Verstöße kann aber eine perfekte Vorlage für eine mediale Angriffswelle und Kundgebungen der Protestierenden liefern.

Der radikalen Opposition ist jedes Mittel recht, um die Situation im Lande zu destabilisieren und die Staatsmacht zu diskreditieren. Die sich über das gefundene Fressen ausgiebig freuende Westpresse vergisst allzu schnell, dass Demonstranten nicht automatisch und pauschal romantische Freiheitskämpfer sind. Ebenso wird aus den Augen gelassen, dass Demokratie nicht nur bei den Machthabenden reifen muss, sondern ebenso bei der Opposition. Die Akzeptanz von Wahlniederlagen seitens der Opposition ist gleichermaßen ein unverzichtbares Element der Demokratie. Die erfahrenen Dirigenten aus dem Ausland, die genau bei diesem Punkt ansetzen und ihre Schützlinge darauf trimmen, jegliche unangenehme Wahlausgänge abzulehnen, beweisen ihrerseits ein Verachten der Demokratie.

Bleibt nur zu wünschen, dass Vladimir Putin die Situation unter Kontrolle behält und die orangene Infektion im Keim erstickt, deren Ergebnisse in der Ukraine bekannt sind. Die ruhigere absolute Mehrheit der Wähler sollte zeitgleich durchaus mal auch einen "Aufstand der Anständigen" organisieren, um das Abgleiten der Lage zugunsten der undemokratischen hyperaktiven Minderheit zu verhindern.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Fox News spricht von Russland und zeigt Griechenland

Der einflussreiche US-Sender Fox News wollte seiner vorwiegend konservativen Zuschauerschaft von den Protesten gegen den Wahlausgang in Russland erzählen. Offenbar sollte zur Diskreditierung der russischen Führung die Botschaft besonders dramatisch sein. Da sich aber in den Bildern der wahren Proteste keine ausreichende Dramatik finden ließ, mussten Bilder von Brandsätze werfenden griechischen Jugendlichen herhalten.



Dass Fox News gerne mal seine Videos manipuliert, ist kein neues Phänomen. Bereits während der Berichterstattung über den Georgienkrieg 2008 wurden zur Begleitung den Schauererzählungen über die russische Invasion Bilder der angreifenden georgischen Raketenwerfer eingespielt, die Tage zuvor auf Südossetien losgegangen sind.

Dienstag, 25. Januar 2011

Demonstrative Bestürzung ohne Solidarität

Der Bombenanschlag auf den Moskauer Flughafen Domodedowo hat weltweit eine Welle von Mitgefühl ausgelöst und Menschen in vielen Ländern ein weiteres Mal die widerwärtige Fratze des militanten Islamismus vor Augen geführt. Doch während in anderen Teilen der Welt, wie beispielsweise in China und sogar in den USA (weil man dort den Terrorismus kennt), das Mitgefühl auf eine aufrichtige Weise rüberkommt, hat man in der deutschen Medienlandschaft das Gefühl, dass die Tragödie einen willkommenen Anlass liefert, sich ein weiteres Mal als gutmenschliche Besserwisser aufzuspielen und statt Solidarität Russland-Bashing zu betreiben.

In der ARD-Tagesschau gibt es ein lächerliches Kommentar darüber, dass man Kaukasier nicht "reflexartig" beschluldigen sollte, und SPIEGEL Online präsentiert eine reißerische Top-Schlagzeile, dass Putin "Rache schwöre". Zitieren im O-Ton ist in Bezug auf russische Politiker schon lange out, eine "Umschreibung" mit eigenen Worten bietet ja viel mehr stilistisch gewünschten Spielraum. Dabei sagte Putin lediglich, dass die Attentäter eine unvermeidliche Strafe erwartet, was an seiner Stelle jeder andere Politiker auch gesagt hätte. Der Effekt der journalistischen Trickserei lässt nicht lange auf sich warten: bereits im dazugehörigen Forumsstrang lässt sich nachlesen, wie sich gleich mehrere manipulierbare Kleingeister über Putins "Kleinkariertheit" und "Brutalität" echauffieren.

Und da wären auch Autoren, die die russische Kaukasuspolitik pauschal für gescheitert erklären und fordern, den Kaukasiern eine humanitäre Perspektive zu bieten, bishin zur vollkommenen Unabhängigkeit. In typisch gutmenschlicher Manier wird eine unnachgiebige Gangart verteufelt, ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen abgelehnt. Schon als Israel die Terrorideologen der Hamas mit Raketen jagte, prophezeiten die Medien hierzulande als Antwort ein "Vulkan der Gewalt", eingetreten ist das Gegenteil. Auch Russland hat die meisten tschetschenischen Terrorfürsten vom Anfang des Jahrzehnts liquidiert, die Gewalt ist trotz des gestrigen Anschlags zurückgegangen. Als normaler Mensch bemerkt man das, es sei denn man lebt in einem gutmenschlichen Luftschloss...

Natürlich ist es für viele solche Autoren heutzutage zu viel verlangt, etwas Recherche zu betreiben, um obskure Anschuldigungen durch hartes Faktenwissen zu ersetzen. Sie würden viel Überraschendes für sich entdecken, beispielsweise, dass das Budget Tschetscheniens zu 90% aus Moskau gestellt wird und der massive Wiederaufbau zum größten auf Kosten des russischen Steuerzahlers (wen sonst?) geht, während viele triste zentralrussische Regionen vergeblich auf infrastrukturelle Verbesserungen warten. Sie werden vielleicht auch mitbekommen, dass für Tschetschenen und andere Kaukasier heute privilegierte Bedingungen an Unis und anderen Einrichtungen gelten.

Und vielleicht würden sie schließlich zur Abwechselung die Verbindungen des kaukasischen Untergrundes zu den wahhabitischen Geldgebern beleuchten, um zu begreifen, dass der islamistische Terrorismus im Kaukasus eben nicht nur hausgemacht oder ein Erbe der Geschichte ist, sondern eine Metastase des globalen terroristischen Krebsgeschwürs. Doch es sind andere "Messages" beabsichtigt und das nähere Eingehen auf diese Aspekte ist aus der Sicht der Redaktionen nicht zielführend.

Sicher, der Kaukasus ist noch sozial schwach, Probleme wie die Korruption und Ineffizienz bleiben, doch der Aufbau würde viel schneller von statten gehen, wäre nicht der wahabitisch-terroristische Krankheitsbefall. Im Tauziehen mit dem Wahhabismus um das Schicksal des Kaukasus ist heute der Milliarden aufbringende russische Staat eindeutig der Gute, was in Europa jedoch nie gebührend gewürdigt werden wird. Zu viel Spaß macht die Lehrmeisterei aus der Ferne, zu sehr braucht es Europa für sein selbstverliebtes, "überlegenes" Eigenbild. Und so verwandelt sich auch diese Tragödie aus Russland in ein willkommenes, zynisches Haudrauf.

Freitag, 31. Dezember 2010

"Gelesen hab' ich's nicht, doch dagegen bin ich schon"

Das Urteil gegen Michail Chodorkowski hat in den westlichen Medien einen neuen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Überall wird Russland Willkürjustiz und ein großer Imageschaden in Sachen Rechtstaatlichkeit bescheinigt. Dabei demonstriert der Umgang mit diesem Thema auf eine anschauliche Weise das verfaulte und verantwortungslose Wesen der freiwillig gleichgeschalteten westlichen Journaille.

Trotz weitgehender Recherche konnte ich bislang keinen Artikel oder Bericht finden, der sich ernsthaft mit der Anklageschrift und der Urteilsbegründung auseinandersetzt. Die Berichterstattung konzentriert sich von den ersten Zeilen an auf abstrakte Verurteilungen der russischen Zustände und Mutmaßungen über politische Motive hinter der Gerichtsentscheidung. Eine derartige Vorgehensweise ist natürlich viel leichter und zweckmäßiger, als eine ernsthafte Untersuchung der öffentlich zugänglichen Anschuldigungen gegen Chodorkowski. Von einem solchen professionellen bzw. aufwändigen Niveau hat sich der westliche Journalismus schon lange abgewendet, da der Zweck nicht die Wahrheitsfindung, sondern Propaganda ist. Für einen Blick auf die 800-seitige Urteilsbegründung ist der Westen einerseits zu bequem, andererseits zu erhaben - er weiß ja ohne zu lesen, dass sie eine Farce ist. Tief im Inneren spielt aber wahrscheinlich doch Angst vor einer Blamage mit, denn niemand würde wohl seine Hand dafür ins Feuer legen, dass am ehemaligen Oligarch Chodorkowski nichts Schmutziges hängt und die Anklageschrift keine Wahrheiten beinhaltet.

Doch aus westlicher Sicht braucht niemand so weit denken. Die abstrahierte Handhabung des Falls ist ein wunderbarer Ansatzpunkt für eine neue Runde der Anti-Russland-Propaganda und die unkritische Bevölkerung, die vieles isst, was ihr serviert wird, macht es den Medien auch nicht gerade schwer.